Squalan: Warum das Etikett Ihnen nicht verrät, ob Ihr Gesichtsöl aus der Olive oder vom Hai stammt

 

Wenn Frauen sich in Beauty-Foren und Hautpflege-Gruppen über Gesichtsöle austauschen, taucht eine ganz bestimmte Beobachtung beinahe universell auf: „Es fühlt sich überhaupt nicht fettig an." Meistens sprechen sie in diesem Moment über eine klare, fast schwerelose Flüssigkeit, die bei Kontakt mit der Haut nahezu augenblicklich zu verschwinden scheint. Genau diese einzigartige Textur ist der Grund, warum dieser Inhaltsstoff zum Favoriten für all jene geworden ist, die klassische Gesichtsöle jahrelang strikt gemieden haben. Bereits in den 1950er-Jahren wurde Squalan als kosmetisches Emolliens in die Welt der Hautpflege eingeführt. Seitdem hat es langsam, aber unaufhaltsam unsere Badezimmerschränke erobert. Heute finden Sie es in gefühlt jedem zweiten Produkt, das sich an trockene oder empfindliche Haut richtet.

Eine Frau verteilt einige Tropfen Gesichtsöl im Morgenlicht auf der Wange

Allerdings umgibt diesen Inhaltsstoff mittlerweile ein dichter Nebel aus purem Marketing-Hype. Mehrere wesentliche wissenschaftliche Fakten werden in gängigen Beauty-Blogs entweder völlig falsch verstanden oder von den Herstellern aus Bequemlichkeit schlichtweg verschwiegen. Der erste entscheidende Punkt: Squalen (mit e) und Squalan (mit a) sind absolut nicht dasselbe. Dieser winzige Vokalwechsel markiert einen massiven chemischen Unterschied. Es ist exakt dieser Unterschied, der darüber entscheidet, ob das Öl Ihr Gesicht beruhigt oder Ihre Poren geradezu verstopft. Wenn wir über Hautpflege sprechen, müssen wir diese Details präzise benennen.

Zweitens – und das ist für bewusste Konsumentinnen und Konsumenten vielleicht die unbequemste Wahrheit von allen: Sie können anhand des Etiketts auf der Rückseite Ihrer Creme schlichtweg nicht erkennen, ob das enthaltene Squalan aus einem mediterranen Olivenhain oder aus der Leber eines Tiefseehais stammt. Aufgrund der strengen internationalen Nomenklaturregeln für Kosmetika sehen beide Ursprünge auf der Verpackung völlig identisch aus.

Als Betriebsleiterin eines Familienunternehmens in der Hautpflegebranche gehört es zu meinem Alltag, Lieferketten zu durchleuchten, Inhaltsstofflisten zu analysieren und mich über die oft frustrierende Kluft zwischen echter kosmetischer Wissenschaft und leeren Marketingversprechen zu ärgern. Lassen Sie uns also den Hype beiseiteschieben und einen ehrlichen Blick auf die Fakten werfen. Wir müssen darüber sprechen, was dieser Inhaltsstoff tatsächlich für Ihre Haut tun kann, welche Behauptungen ohne jeden Beleg aufgestellt werden und wie Sie sicher durch das ethische Minenfeld seiner Herkunft navigieren können.

 

Das Wichtigste in Kürze

  • Squalan ist kein Feuchthaltemittel. Es ist ein Emolliens. Es besitzt nicht die chemische Fähigkeit, Wasser in die Haut zu ziehen. Es macht die Oberfläche geschmeidig und verlangsamt die Verdunstung der vorhandenen Feuchtigkeit. Es muss daher immer über einer Feuchtigkeitspflege aufgetragen werden, niemals an deren Stelle.
  • Der Unterschied zu Squalen ist enorm. Squalen (mit „e") ist instabil und oxidiert auf der Haut; die dabei entstehenden Lipidperoxide verstopfen die Poren. Squalan (mit „a") ist ein gesättigter Kohlenwasserstoff und kann chemisch schlichtweg nicht oxidieren.
  • Die Herkunft ist auf dem Etikett unsichtbar. Egal ob aus Oliven, Zuckerrohr oder Haien gewonnen – alle Varianten tragen exakt denselben INCI-Namen. Sie müssen sich auf die freiwilligen Deklarationen der Marken verlassen.
  • Klinische Studien zum reinen Inhaltsstoff sind selten. Es gibt keine belastbaren klinischen Studien, die Squalan allein auf seine feuchtigkeitsspendende oder barrierefördernde Wirkung am Menschen testen. Sein hervorragender Ruf basiert auf seiner chemischen Stabilität und jahrzehntelanger Anwendungserfahrung.
  • Die Sicherheit ist hervorragend belegt. Offizielle Expertengremien haben die Sicherheit des Inhaltsstoffs mehrfach geprüft und bestätigt, was ihn zu einer ausgezeichneten Wahl für sehr empfindliche Haut macht.

Squalen und Squalan: Ein Buchstabe erzählt zwei völlig verschiedene Geschichten

Um wirklich zu verstehen, warum dieses Öl in der Kosmetikwelt derart gefeiert wird, müssen wir zunächst einen Blick auf Ihre eigene Biologie werfen. Ihr Körper produziert Squalen (mit e) ganz natürlich. Es ist das wichtigste Lipid im menschlichen Talg (Ihrem Hautfett). Zusammen mit Wachsestern ist es eine Substanz, die sonst nirgendwo im menschlichen Körper in dieser Form vorkommt. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes ein hauteigener Stoff.

Doch Squalen hat einen fatalen Fehler, wenn es um die Hautpflege geht: Es ist chemisch extrem instabil. Seine Molekularstruktur enthält sechs Doppelbindungen. In der Welt der Chemie sind Doppelbindungen immer Schwachstellen und Angriffsflächen. Wenn Sie Ihr Gesicht dem Sonnenlicht aussetzen, ist Squalen das allererste Lipid in Ihrem Talg, das zu oxidieren beginnt. Ein deutsches Forschungsteam hat dies im Jahr 2003 direkt gemessen. Die Forschenden sammelten Talg von den Gesichtern freiwilliger Probanden und setzten diesen UVA-Strahlung aus. Das Ergebnis war eindeutig: Das Squalen baute sich dosisabhängig ab, und an seiner Stelle entstanden Squalen-Monohydroperoxide. Besonders wichtig ist hierbei die Erkenntnis, dass diese Lipidperoxide bereits bei einer Strahlendosis entstanden, die weit unterhalb der Schwelle lag, ab der die Haut rot wird. Sie müssen also keinen Sonnenbrand erleiden, damit dieser Prozess in Ihrem Gesicht stattfindet.

Und genau hier wird es für die Hautpflege kritisch. Oxidiertes Squalen verhält sich völlig anders als sein frisches, intaktes Gegenstück. Eine zentrale wissenschaftliche Arbeit aus dem Jahr 1983 zeigte, dass reines Squalen praktisch keine Komedonen (Mitesser) verursacht, während seine Peroxide dies sehr wohl tun. Und sie tun es ausgesprochen stark. Spätere japanische Studien haben diesen Mechanismus mehrfach bestätigt und gezeigt, dass Squalen-Peroxid die Poren weitaus stärker verstopft als viele Substanzen, die wir traditionell als hochgradig komedogen betrachten. Die nicht oxidierte Form hingegen verursachte keinerlei derartige Störungen der Hautstruktur.

Wie entsteht nun Squalan? Squalan wird gewonnen, indem Squalen durch einen Prozess namens Hydrierung von seinen anfälligen Doppelbindungen restlos befreit wird. Das Resultat ist ein gesättigter Kohlenwasserstoff. Das bedeutet, dass dem Molekül jeder chemische Mechanismus fehlt, um überhaupt noch oxidieren zu können. Dieser Weg ist schlichtweg versperrt. Es handelt sich also nicht nur um eine vage „stabilere Alternative", sondern um eine Form, bei der der chemische Pfad zur Bildung von porenverstopfenden Peroxiden chemisch unmöglich gemacht wurde.

Da die beiden Begriffe im Deutschen fast gleich klingen, ist es umso wichtiger, beim Kauf genau hinzusehen. Squalan (mit a) ist kein künstlicher, im Labor erfundener Fremdkörper für Ihr Gesicht. Es ist lediglich die chemisch gesättigte, sichere Version eines Moleküls, das Ihr eigener Körper ohnehin produziert.

Die dunkle Geschichte der Beschaffung und das fortbestehende Hai-Problem

Historisch gesehen bezog die Kosmetikindustrie diesen Inhaltsstoff aus den Lebern von Tiefseehaien. Diese faszinierenden Tiere besitzen riesige Lebern – manchmal machen sie ein Drittel ihres gesamten Körpergewichts aus –, die prall gefüllt sind mit Squalen, um ihnen in den Tiefen des Ozeans den nötigen Auftrieb zu geben. Wir müssen bei diesem Thema äußerst präzise sein, da Fehlinformationen im Internet in beide Richtungen florieren.

Im Jahr 2012 veröffentlichte die französische Meeresschutzorganisation BLOOM einen investigativen Bericht, der den globalen Markt kartierte und harte, sehr unbequeme Zahlen ans Licht brachte. Die jährliche weltweite Nachfrage nach Haileberöl wurde auf 2.000 Tonnen geschätzt, und unglaubliche 90 Prozent davon waren für die Kosmetikindustrie bestimmt. Branchenzahlen besagten, dass etwa 3.000 Haie getötet werden mussten, um eine einzige Tonne Squalan zu produzieren. Der BLOOM-Bericht dokumentierte die brutale Praxis des „Livering", bei der dem Tier die Leber herausgeschnitten und der restliche Kadaver oft einfach zurück ins Meer geworfen wurde.

Was hat sich seitdem getan? Wir müssen die aktuelle Marktlage mit einer gesunden Portion Skepsis betrachten. Die deutsche Wikipedia hält beispielsweise fest, dass Squalan „in den USA in nicht unbeträchtlichem Maße aus Haien gewonnen" wird. Das bedeutet schlichtweg: Der tierische Ursprung ist auch nach aktueller Quellenlage keineswegs reine Vergangenheit. Zwar hat sich Europa weitgehend pflanzlichen Alternativen zugewandt, doch andere große globale Märkte hinken hinterher. Das Frustrierendste an der Situation ist der Mangel an aktuellen, transparenten Daten. Die Tatsache, dass wir uns oft noch auf Zahlen stützen müssen, die über ein Jahrzehnt alt sind, spricht Bände über die Undurchsichtigkeit der globalen Lieferketten.

Jetzt kommt die wichtigste Information für Sie: INCI (International Nomenclature of Cosmetic Ingredients) ist eine internationale Nomenklatur, die weltweit standardisiert, wie Inhaltsstoffe auf Verpackungen deklariert werden müssen. Die Vorschriften verlangen von den Herstellern, diese gemeinsamen Bezeichnungen zu verwenden, aber sie verlangen nicht die Angabe der Herkunftsquelle. Der Punkt mit dem Etikett gilt also unabhängig davon, wo Sie einkaufen: Ob in Berlin, New York oder Tokio – Oliven-Squalan, Zuckerrohr-Squalan und Hai-Squalan stehen alle unter exakt demselben Wort auf der Verpackung: Squalane.

Die einzige Möglichkeit, den tatsächlichen Ursprung zweifelsfrei zu beweisen, ist im Labor über das Kohlenstoff-Isotopenverhältnis. Pflanzen und Tiere bauen Kohlenstoffisotope unterschiedlich in ihre Gewebe ein. Obwohl diese Testmethode existiert, ist sie kein flächendeckender Standard. Der BLOOM-Bericht dokumentierte zahlreiche Fälle, in denen Lieferanten bedenkenlos Hai-Squalan verkauften, das fälschlicherweise als pflanzlich deklariert war.

Das Einzige, worauf Sie sich heute wirklich verlassen können, ist eine freiwillige Deklaration der Marke. Suchen Sie nach Begriffen wie „aus Oliven", „aus Zuckerrohr", dem geschützten Begriff Phytosqualan (ein fest etablierter Begriff für die pflanzliche Variante) oder einer strengen Vegan-Zertifizierung. Wenn die Verpackung und die Website der Marke zur Herkunft völlig schweigen, tappen Sie schlichtweg im Dunkeln.

Phytosqualan aus der Olive und der moderne Weg über das Zuckerrohr

Glücklicherweise hat sich die kosmetische Chemie enorm weiterentwickelt und bietet heute hervorragende, nachhaltige Alternativen. Olivenöl ist dabei eine sehr traditionelle Quelle. Bei der Raffination von Olivenöl bleibt eine kleine unverseifbare Fraktion übrig, die reich an Squalen ist. Dieses wird extrahiert und anschließend zu Squalan hydriert. Es ist eine wunderbare Methode, ein Nebenprodukt der Lebensmittelindustrie sinnvoll aufzuwerten – das sogenannte Phytosqualan.

Dann gibt es noch den Weg über das Zuckerrohr. Die Herstellung aus Zuckerrohr ist ein Meisterwerk der modernen Biotechnologie. Dabei wird das Zuckerrohr geerntet und durch einen gentechnisch veränderten Hefepilz fermentiert. Im deutschsprachigen Raum löst der Begriff „gentechnisch verändert" oft sofortige Abwehrreflexe aus, weshalb wir dies ganz nüchtern betrachten sollten: Diese Hefe dient in einem streng kontrollierten Prozess lediglich als winzige Fabrik, die den Zucker in ein Molekül namens Farnesen umwandelt. In einem geschlossenen Laborumfeld erfolgt dann die sogenannte Dimerisierung (die Verknüpfung der Moleküle) und schließlich die Hydrierung zu Squalan. Das Endprodukt ist eine legitime pflanzliche Quelle und ein hochreiner kosmetischer Inhaltsstoff, der sehr ressourcenschonend hergestellt wird, ohne dass dafür ein einziger Olivenhain bewirtschaftet oder ein maritimer Lebensraum angetastet werden muss.

Nahaufnahme eines klaren Tropfens leichten Gesichtsöls auf der Haut

Was ein Emolliens wirklich für Ihre Haut tut – und was nicht

An diesem Punkt trennen sich die Wege von Marketingabteilungen und grundlegender Chemie oft drastisch. Squalan ist ein Emolliens. Es ist eine Substanz, die die mikroskopisch kleinen Lücken zwischen den abgestorbenen Hautzellen auf Ihrem Stratum corneum (der äußersten Hautschicht) füllt, die Oberfläche glättet und die Verdunstung von Wasser verlangsamt. Es ist jedoch ausdrücklich kein Feuchthaltemittel (Humectant).

Warum ist diese Unterscheidung so wichtig? Weil Squalan ein reiner, gesättigter Kohlenwasserstoff ist. Seiner Molekularstruktur fehlt jede polare Gruppe. Das bedeutet, es besitzt absolut keinen chemischen Mechanismus, um Wasser zu binden oder in die Haut zu ziehen. Wenn Sie eine Werbung lesen, die behauptet, Squalan würde die Haut „tiefenwirksam durchfeuchten", ist das eine irreführende Verkürzung, die zu einer völlig falschen Anwendung führt. Wenn Sie es auf ein trockenes, frisch gereinigtes Gesicht auftragen, ohne vorher ein Feuchtigkeitsserum zu verwenden, wird es Ihrer Haut nicht einen einzigen Tropfen Wasser zuführen. Es macht nur Sinn, wenn es über die Feuchtigkeitspflege geschichtet wird, niemals an deren Stelle.

Art des Inhaltsstoffs Primäre Funktion Beispiele
Feuchthaltemittel (Humectant) Zieht Wasser an und bindet es in der Haut Glycerin, Hyaluronsäure, Urea (Harnstoff)
Emolliens Glättet die Oberfläche, macht geschmeidig, verlangsamt Verdunstung Squalan, Pflanzenöle, kosmetische Ester
Okklusivum Bildet einen nahezu undurchlässigen physischen Schild Petrolatum (Vaseline), Bienenwachs
Barriere-Reparatur Liefert fehlende strukturelle hauteigene Lipide Ceramide, Cholesterin, freie Fettsäuren

Squalan positioniert sich wunderbar in der Mitte des Emolliens-Spektrums. Es ist weitaus leichter und eleganter als schwere okklusive Stoffe wie Vaseline, bietet aber ein länger anhaltendes, schützendes Polster als sehr schnell einziehende synthetische Ester. Sensorische Tests bestätigen immer wieder das, was Anwenderinnen als das klassische „Trockenöl"-Gefühl beschreiben. Es senkt effektiv den transepidermalen Wasserverlust. Wenn Sie versuchen, eine geschädigte Hautbarriere wieder ins Gleichgewicht zu bringen, ist die Kombination von Squalan mit Ceramiden eine hervorragende Strategie. Die Ceramide fungieren als struktureller Mörtel zwischen Ihren Hautzellen, während das Squalan eine schützende, atmungsaktive Versiegelung darüberlegt.

Die ehrliche Wahrheit über die wissenschaftliche Studienlage

Ich schreibe diesen nächsten Abschnitt mit einem gewissen Widerwillen, da mein eigenes Unternehmen Kosmetika formuliert und vertreibt, die genau diesen Inhaltsstoff enthalten. Aber ohne absolute Ehrlichkeit wäre dieser Artikel nur eine in die Länge gezogene, etwas raffiniertere Werbeanzeige.

Wenn Sie dermatologische Datenbanken nach klinischen Studien zu Squalan und menschlicher Haut durchsuchen, werden Sie auf einen überraschend kleinen Datenpool stoßen. Die überwiegende Mehrheit dieser Arbeiten untersucht seine Rolle als Penetrationsverstärker oder als Trägerstoff für andere pharmazeutische Wirkstoffe. Ich muss es ganz klar sagen: Es gibt praktisch keine belastbare klinische Studie, die Squalan allein auf seine feuchtigkeitsspendende Wirkung oder die Verbesserung der Barrierefunktion am Menschen testet.

Bedeutet das nun, dass es wirkungslos ist? Absolut nicht. Es bedeutet lediglich, dass sein herausragender Ruf auf drei völlig anderen Säulen ruht: auf der fundamentalen Chemie (der unumstößlichen Tatsache, dass es nicht oxidieren kann), auf der biologischen Mimikry (seiner engen Verwandtschaft zum hauteigenen Talg) und auf der Erfahrung hunderttausender Anwenderinnen über Jahrzehnte hinweg. Das ist eine überaus respektable und solide Basis für einen kosmetischen Inhaltsstoff, aber wir müssen so ehrlich sein und anerkennen, dass dies nicht dasselbe ist wie ein doppelblinder klinischer Beweis.

Was hingegen umfassend und lückenlos dokumentiert ist, ist seine Sicherheit. Das Expertengremium für kosmetische Inhaltsstoffe (CIR – Cosmetic Ingredient Review) bewertete Squalan bereits im Jahr 1982 und kam 2023 erneut darauf zurück. Das Gremium prüfte alle seitdem erschienenen Studien sowie die tatsächlichen Einsatzkonzentrationen in modernen Produkten und bestätigte die Sicherheit vollumfänglich. Für einen Inhaltsstoff, der täglich auf der Haut verbleibt, ist das ein immens wichtiges Gütesiegel.

Gegen den Hype: Komedogenität und das Thema Pilzakne

Weil es so extrem beliebt ist, ist Squalan zum Gegenstand intensiver Internet-Mythenbildung geworden. Wenn Sie Zeit in Inhaltsstoff-Datenbanken oder in Hautpflege-Foren verbringen, werden Sie unweigerlich auf zwei Behauptungen stoßen, die oft als unumstößliche Fakten präsentiert werden. Als Insiderin der Branche möchte ich beiden Behauptungen höflich, aber mit fundierter Begründung widersprechen.

Die erste Behauptung betrifft den berühmten „Komedogenitätswert 1" (manchmal auch 0), der dem Öl oft zugeschrieben wird. Das Internet liebt diese simplen Zahlenwerte, aber sie sind methodisch zutiefst fehlerhaft. Diese Werte stammen aus historischen Tests, bei denen Inhaltsstoffe über Wochen hinweg auf die Innenohren von Kaninchen gepinselt wurden. Dr. James Fulton, der Pionier dieses Modells, räumte bereits 1984 selbst ein, dass das Kaninchenohr-Modell unvollkommen sei – es war schlichtweg das beste Werkzeug, das die Wissenschaft zu jener Zeit zur Verfügung hatte. Kaninchenporen reagieren weitaus empfindlicher und anders als menschliche Gesichtsporen. Moderne Kosmetikchemiker wissen zudem, dass ein fertiges Produkt, das einen theoretisch komedogenen Inhaltsstoff enthält, selbst nicht zwingend komedogen sein muss, da die Gesamtformulierung das Verhalten diktiert. Der Ruf von Squalan, die Poren nicht zu verstopfen, sollte sich nicht auf einen veralteten Kaninchentest stützen, sondern auf die chemische Realität, die wir zuvor besprochen haben: Ihm fehlen die Doppelbindungen, die zur Bildung von porenblockierenden Peroxiden zwingend erforderlich sind.

Die zweite allgegenwärtige Behauptung lautet, Squalan sei „auch bei Pilzakne (Malassezia) zu 100 % sicher". Malassezia ist eine Hefepilz-Gattung, die natürlicherweise auf der menschlichen Haut lebt. Wenn sie überwuchert, kann sie Zustände wie Pilzakne oder seborrhoische Dermatitis auslösen. Die Theorie im Internet besagt, dass der Hefepilz sich von Squalan nicht ernähren könne, da es ein reiner Kohlenwasserstoff ohne Esterbindungen sei. Auf dem Papier klingt das absolut logisch. Allerdings ist die menschliche Haut ein unendlich komplexes Ökosystem und keine sterile Petrischale. Es gibt schlichtweg keine belastbare klinische Evidenz, die beweist, dass es bei einer aktiven Malassezia-Überwucherung sicher ist. Die ehrliche Antwort – und die einzige Antwort, die eine verantwortungsvolle Marke geben sollte – lautet: Wir wissen es nicht. Wenn Sie zu diesen speziellen Hautzuständen neigen, sollten Sie entsprechend vorsichtig vorgehen.

Abschließend müssen wir uns von völligen Erfindungen verabschieden. Squalan bietet keinen UV-Schutz; es ist kein Sonnenschutz. Es ist auch kein Kollagen-Booster und es „entgiftet" die Haut nicht. Nur weil in einer isolierten Zellkultur im Labor ein antioxidatives Verhalten beobachtet wird, bedeutet das noch lange nicht, dass ein Inhaltsstoff Falten auf einem lebenden menschlichen Gesicht ausradieren kann.

Unbeschriftete Pflegeprodukte auf einer Steinablage im Morgenlicht

Die optimale Anwendung in Ihrer täglichen Pflege

Ich gebe unumwunden zu, dass sich dieser Abschnitt ausschließlich auf praktische Formulierungserfahrung und die Rückmeldungen unzähliger Anwenderinnen stützt, da es logischerweise keine peer-reviewten Studien gibt, die vorschreiben, wie ein Gesichtsöl korrekt geschichtet wird.

Aus physikalischer Sicht ist es am sinnvollsten, ein Emolliens als allerletzten Schritt Ihrer Routine aufzutragen, idealerweise über einer feuchtigkeitsspendenden Schicht. Wenn Sie ein Öl über ein wasserbasiertes Serum geben, verlangsamen Sie die Verdunstung dieses Wassers. Würden Sie es umgekehrt machen, würden Sie eine Lipidbarriere auf der Haut errichten, die es Ihren wasserbasierten Wirkstoffen im Anschluss deutlich schwerer macht, in die Haut einzudringen. Wenn Sie sich eine solide Hautpflege-Routine aufbauen möchten, ist dies eine Grundregel, die Sie stets beachten sollten. Eine sehr beliebte und effektive Methode ist es, ein paar Tropfen in die noch leicht feuchte Haut zu drücken oder in den kälteren Monaten einen Tropfen direkt in die abendliche Feuchtigkeitscreme zu mischen.

Wie viel benötigen Sie? Wenige Tropfen sind mehr als genug. Das Öl lässt sich wunderbar verteilen, und wenn Sie mehr auftragen, erzielen Sie keine besseren Ergebnisse; Ihre Haut wird sich lediglich fettig anfühlen. Da es chemisch stabil ist, müssen Sie sich auch keine Sorgen machen, dass es in Ihrem Badezimmerschrank ranzig wird, wie es bei kaltgepressten Pflanzenölen wie Hagebutten- oder Hanföl passieren kann.

Sie können es mit praktisch allem kombinieren. Es ist chemisch so inert, dass Hersteller es häufig als Lösungsmittel für empfindliche Wirkstoffe wie Retinoide verwenden. Wenn Sie jedoch nach einer Lösung für Anti-Aging ohne Retinol suchen, bedenken Sie, dass das Öl selbst keine Zellkommunikation betreibt – es schützt lediglich die Barriere. Es gibt kein Konfliktrisiko mit peelenden Säuren, Vitamin C oder Niacinamid – denken Sie nur daran, es nach diesen Wirkstoffen aufzutragen. Nach der Verwendung von Säuren ist es besonders wohltuend, da die Haut oft nach einer beruhigenden, weichmachenden Schicht verlangt.

Für wen ist es geeignet? Es funktioniert hervorragend bei trockener, empfindlicher und reaktiver Haut. Es ist ideal für Haut, die von harten Winterwinden ausgelaugt ist, für den Körper, die Hände und überall dort, wo Sie die Textur der Haut dringend geschmeidiger machen müssen. Wenn Sie ein passendes Körperöl für trockene und atopische Haut suchen, ist es eine hervorragende Basis, da es die mechanische Spannung trockener Haut lindert, ohne die Poren durch komedogene Oxidation zu belasten.

Allerdings gibt es auch Grenzen. Kosmetik heilt nicht. Wenn Sie an einem aktiven Ekzem leiden und auf der Suche nach einer Creme bei atopischem Ekzem sind, denken Sie bitte daran: Die Behandlung von Hauterkrankungen gehört zwingend in die Hände eines Arztes oder einer Ärztin. Squalan kann Linderung bei dem rein mechanischen Spannungsgefühl trockener Haut bieten und eine Schutzschicht gegen Umwelteinflüsse bilden, aber es ist kein medizinisches Therapeutikum.

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Fazit

Squalan ist ein wunderbar pragmatischer Inhaltsstoff, an den kein wundersames Märchen geknüpft ist. Es wird nicht die Hälfte der Dinge erreichen, die das Internet leichtfertig behauptet. Es spendet keine Feuchtigkeit, es radiert keine tiefen Falten aus und es schützt Ihre Haut ganz sicher nicht vor UV-Schäden. Was es jedoch tut, ist, eine zentrale Aufgabe überaus zuverlässig zu erfüllen: Es macht die Oberfläche Ihrer Haut geschmeidig, lindert das Spannungsgefühl und hilft, die bereits vorhandene Feuchtigkeit in der Haut einzuschließen. Und es schafft dies auf eine so elegante Weise, dass es selbst von Hauttypen toleriert wird, die jede andere Form von Öl strikt ablehnen.

Wenn Sie nur eine einzige Erkenntnis aus diesem Artikel mitnehmen, dann lassen Sie es diese sein: Hinterfragen Sie immer die Quelle. Nicht etwa, weil die Varianten aus Oliven oder Zuckerrohr auf der Haut besser abschneiden würden als das Äquivalent vom Hai – chemisch gesehen sind sie in ihrer Struktur praktisch nicht zu unterscheiden. Sie sollten danach fragen, weil es die eine Information ist, die Ihnen die Rückseite der Flasche laut Gesetzgeber legal vorenthalten darf. Und es ist die eine bewusste Entscheidung, die Sie in Ihrem Badezimmer treffen, deren Auswirkungen weit über Ihre eigene Haut hinausgehen.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der genaue Unterschied zwischen Squalan und Squalen?

Squalen (mit e) ist ein instabiles Lipid, das Ihr Körper natürlicherweise produziert und das den Hauptbestandteil Ihres Talgs ausmacht. Wenn es jedoch Licht und Luft ausgesetzt wird, oxidiert es, und die daraus resultierenden Lipidperoxide verstopfen die Poren. Squalan (mit a) entsteht, wenn dem Squalen durch Hydrierung seine Doppelbindungen entzogen werden. Es ist ein gesättigter Kohlenwasserstoff, hochgradig stabil und chemisch nicht in der Lage zu oxidieren. Aus diesem Grund finden Sie in moderner Kosmetik fast ausschließlich die stabile Form mit „a".

Spendet Squalan der Haut Feuchtigkeit?

Nicht in dem Sinne, wie die meisten Menschen dieses Wort verstehen. Es handelt sich um ein Emolliens, was bedeutet, dass es die Hautoberfläche glättet und die Verdunstung von Wasser verlangsamt. Es kann jedoch nicht selbst Wasser in die Haut ziehen, da seiner chemischen Struktur die Fähigkeit fehlt, Feuchtigkeit zu binden. Wenn Ihre Haut trocken ist, müssen Sie es immer über einem feuchtigkeitsspendenden Serum oder einer Creme auftragen, niemals als Ersatz dafür.

Woran erkenne ich, ob mein Produkt pflanzliches oder tierisches Squalan enthält?

Leider können Sie das allein anhand der Liste der Inhaltsstoffe nicht erkennen. Die internationalen INCI-Vorschriften verlangen, dass Inhaltsstoffe unter ihren gemeinsamen Bezeichnungen aufgeführt werden, ohne den Ursprung anzugeben. Daher werden Quellen aus Oliven, Zuckerrohr und Haien alle identisch als „Squalane" deklariert. Ihr einziger verlässlicher Anhaltspunkt ist die freiwillige Offenlegung der Marke. Suchen Sie nach ausdrücklichen Hinweisen auf Oliven- oder Zuckerrohrursprung, dem Begriff Phytosqualan oder einer vertrauenswürdigen Vegan-Zertifizierung.

Wird Squalan meine Poren verstopfen?

Es gilt als eines der risikoärmsten Öle überhaupt, auch wenn es in der Hautpflege keine absoluten Garantien gibt. Sein Hauptvorteil gegenüber anderen Ölen ist, dass es nicht oxidieren kann – und oxidierte Lipide sind ein Haupttreiber für verstopfte Poren. Seien Sie jedoch skeptisch gegenüber Behauptungen, die einen „Komedogenitätswert von 1" als in Stein gemeißelten Fakt zitieren. Diese Zahlen stammen aus methodisch fehlerhaften, historischen Kaninchenohr-Tests und spiegeln nicht exakt wider, wie sich eine fertige kosmetische Formel auf der menschlichen Haut verhält.

Ist es bei Pilzakne (Malassezia) sicher anwendbar?

Sie werden im Internet überall lesen, dass es völlig sicher sei, weil es ein reiner Kohlenwasserstoff ist und sich der Hefepilz angeblich nicht davon ernähren kann. Die ehrliche Antwort ist jedoch, dass wir keine belastbare klinische Evidenz haben, um dies endgültig zu beweisen. Das menschliche Mikrobiom ist hochkomplex. Wenn Sie an einer medizinischen Hauterkrankung wie einer Malassezia-Überwucherung leiden, benötigen Sie professionellen ärztlichen Rat und keine bloßen Internettheorien.

An welcher Stelle meiner Routine sollte ich es auftragen?

Im Allgemeinen sollte es der allerletzte Schritt in Ihrer Routine sein, idealerweise über Ihren feuchtigkeitsspendenden Schichten. Diese Reihenfolge ermöglicht es wasserbasierten Inhaltsstoffen, zuerst in die Haut einzudringen, während das Öl darüber eine atmungsaktive Versiegelung bildet, um zu verhindern, dass diese Feuchtigkeit verdunstet. Ein paar Tropfen sind völlig ausreichend, und viele Anwenderinnen finden, dass es am besten funktioniert, wenn es in die leicht feuchte Haut gedrückt wird.

Kann ich es während der Schwangerschaft verwenden?

Es ist ein inerter Kohlenwasserstoff ohne systemische Aktivität, und offizielle kosmetische Expertengremien bewerten es als äußerst sicheren Inhaltsstoff. Bei der Auswahl von Hautpflegeprodukten während der Schwangerschaft gilt jedoch immer die Standardregel: Sie sollten Ihre Routine stets mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin besprechen, insbesondere wenn das Öl in einer Formel enthalten ist, die weitere aktive Wirkstoffe beinhaltet.

Wird es ranzig wie meine anderen Gesichtsöle?

Nein, das wird es nicht. Das Ranzigwerden ist das direkte Resultat der Oxidation ungesättigter Bindungen. Da Squalan vollständig gesättigt ist, fehlen ihm diese anfälligen Punkte. Es hat eine deutlich längere Haltbarkeit als typische kaltgepresste Pflanzenöle wie Hagebutten- oder Hanföl und erfordert keine Kühlung oder spezielle Handhabung, auch wenn es immer ratsam ist, Kosmetika vor direktem Sonnenlicht zu schützen.

Quellen

  • Motoyoshi, K. (1983): „Enhanced comedo formation in rabbit ear skin by squalene and oleic acid peroxides", British Journal of Dermatology 109(2), S. 191–198. PMID: 6223652.
  • Chiba, K. et al. (2000): „Comedogenicity of squalene monohydroperoxide in the skin after topical application", The Journal of Toxicological Sciences 25(2), S. 77–83. PMID: 10845185.
  • Chiba, K.; Sone, T. (1999): „Skin roughness and wrinkle formation induced by repeated application of squalene-monohydroperoxide to the hairless mouse", Experimental Dermatology. PMID: 10597136.
  • Ekanayake Mudiyanselage, S. et al. (2003): „Ultraviolet A induces generation of squalene monohydroperoxide isomers in human sebum and skin surface lipids in vitro and in vivo", Journal of Investigative Dermatology 120(6), S. 915–922. PMID: 12787115.
  • Fiume, M.; Bergfeld, W. F. et al. (2023): „Squalane and Squalene", International Journal of Toxicology 42(3_suppl), S. 107S–109S, CIR Expert Panel. PMID: 37752766.
  • Fulton, J. E. Jr. et al. (1984): „Comedogenicity of current therapeutic products, cosmetics, and ingredients in the rabbit ear", Journal of the American Academy of Dermatology 10(1), S. 96–105. PMID: 6229554.
  • Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel, Artikel 19 (Kennzeichnung der Bestandteile).
  • Beschluss (EU) 2019/701 der Kommission zur Erstellung eines Glossars gemeinsamer Bezeichnungen für Bestandteile.
  • Europäische Kommission, CosIng-Datenbank, Einträge Squalane und Squalene.
  • BLOOM Association (2012): „The hideous price of beauty".
Lucie Konečná, Betriebsleiterin bei nanoSPACE
Lucie Konečná ist seit 7 Jahren in der Nanotechnologie tätig. Sie ist Mitautorin des Projekts „Česko je nano" (Tschechien ist Nano) und setzt sich langfristig für die Bekanntmachung von Nanotechnologien ein. Seit Mai 2020 leitet sie den Betrieb des nanoSPACE E-Shops.