Was ist Nanotechnologie und wo begegnet sie uns in der Natur?

 

Wir Menschen sind oft stolz auf unsere Erfindungen. Selbstbewusst sprechen wir vom Zeitalter der Nanotechnologie, als hätten wir sie erst entdeckt. Die Wahrheit ist jedoch weitaus bescheidener: Die Natur manipuliert Atome und konstruiert Materialien im Maßstab von Milliardstelmetern bereits seit Hunderten von Millionen Jahren – und das eleganter, ressourcenschonender und oft weitaus stabiler, als es die besten Labore der Welt heute vermögen. Wenn Sie verstehen möchten, was Nanotechnologie in der Natur bedeutet und wo wir ihr im Alltag begegnen, müssen Sie nicht gleich zum Mikroskop greifen. Es genügt ein Blick auf ein Lotusblatt nach einem Regenschauer, auf die schillernden Flügel eines Schmetterlings oder auf einen Gecko, der kopfüber an einer Glasscheibe entlangläuft. All das ist Nanotechnologie – sie wurde nur von keinem Menschen patentiert.

Was ist Nanotechnologie und wo begegnet sie uns in der Natur?

 

Das Wichtigste in Kürze

  • Nanotechnologie bedeutet die Arbeit mit Materie im Maßstab von 1 bis 100 Nanometern. Ein Nanometer ist der Milliardstel Teil eines Meters – etwa ein Hunderttausendstel der Dicke eines menschlichen Haares.
  • Die Natur war der erste Nanotechnologe. Lotus, Gecko, Schmetterling, Spinne und Perlmutt meistern ihre Herausforderungen durch evolutionär entstandene Nanostrukturen.
  • Die Bionik ist jene Wissenschaft, die die Nanostrukturen der Natur erforscht und nachahmt – von selbstreinigenden Fassaden über Trockenklebstoffe bis hin zu völlig neuen Materialien.
  • Der Lotuseffekt inspirierte hydrophobe (wasserabweisende) und selbstreinigende Oberflächen, die heute Glas, Autos und Textilien schützen.
  • Nanofasern beweisen, dass auch der Mensch die Natur einholen kann. Sie bilden eine Membran, die zwar Luft durchlässt, aber Hausstaubmilben und Allergene zuverlässig aufhält.

Was bedeutet „nano“ eigentlich?

Die Vorsilbe „nano“ stammt vom griechischen nános ab, was Zwerg bedeutet. Und das ist überaus treffend. Ein Nanometer ist ein Milliardstel eines Meters. Um sich diese kaum vorstellbare Winzigkeit zu vergegenwärtigen: Wäre ein einzelner Nanometer so groß wie eine Murmel, entspräche ein menschlicher Kopf der Größe unseres gesamten Planeten. Die Nanotechnologie umfasst alle Methoden, mit denen sich Atome, Moleküle oder kleine Gruppen davon gezielt manipulieren lassen. Das Ziel ist es, Materialien und Objekte mit Eigenschaften zu erschaffen, die Materie im gewöhnlichen Maßstab schlichtweg nicht besitzt. Üblicherweise bewegt man sich dabei im Bereich von 1 bis 100 Nanometern.

Und genau hier liegt der faszinierende Punkt, der viele überrascht: In diesem Maßstab verlieren unsere alltäglichen physikalischen Erfahrungen ihre Gültigkeit. Ein Material, das sonst spröde bricht, kann plötzlich elastisch werden. Eine Oberfläche, die eigentlich benetzbar sein sollte, weist Wasser regelrecht ab. Farbe entsteht nicht mehr durch Pigmente, sondern durch die Art und Weise, wie sich Licht an unsichtbaren Strukturen bricht. Die Natur beherrscht diese Tricks in Perfektion – und wir fangen gerade erst an, von ihr zu lernen. Wenn Sie genauer wissen möchten, wie Nanofasern entstehen und was sie alles leisten können, lesen Sie unseren gesonderten Artikel darüber, was eine Nanofaser ist.

Bionik: der Natur abgeschaute Nanotechnologie

Das Fachgebiet, das die genialen Lösungen der Natur erforscht und in die Technik überträgt, nennt sich Bionik (aus dem Griechischen bios für Leben und mimesis für Nachahmung). Dabei handelt es sich keineswegs um eine moderne Kuriosität. Schon Leonardo da Vinci zeichnete Flugmaschinen nach dem Vorbild von Vogelflügeln. Und der Klettverschluss entstand nur deshalb, weil es den Schweizer Ingenieur Georges de Mestral ärgerte, ständig Kletten aus dem Fell seines Hundes zupfen zu müssen. Als er die Früchte unter der Lupe betrachtete, entdeckte er winzige Häkchen – und hatte wenig später sein Patent.

Die moderne Bionik geht jedoch viel tiefer, hinab bis auf die Ebene einzelner Moleküle und Nanostrukturen. Wissenschaftler kopieren heute nicht mehr nur die Form eines Flügels, sondern vielmehr die Art, wie auf dessen Oberfläche das Chitin im Maßstab von Hunderten Nanometern angeordnet ist. Die Natur hatte schließlich weder seltene Rohstoffe noch extreme Temperaturen zur Verfügung. Sie musste mit dem auskommen, was vorhanden war – Wasser, Kalzium, Eiweiß – und schuf dennoch Materialien, die wir bis heute nicht vollständig nachahmen können. Deshalb bleibt sie die größte Lehrmeisterin der Nanotechnologie.

Der Lotuseffekt: die berühmteste selbstreinigende Oberfläche der Welt

Wohl keine natürliche Nanostruktur hat die Technik so nachhaltig beeinflusst wie die Oberfläche des Lotusblattes. Die Lotuspflanze wächst in schlammigen tropischen Gewässern, und dennoch sind ihre Blätter stets vollkommen sauber und trocken. Dieses Geheimnis lüftete Ende des 20. Jahrhunderts der Botaniker Wilhelm Barthlott und taufte es den Lotuseffekt.

Die Oberfläche des Blattes ist nämlich keineswegs so glatt, wie es aus der Ferne scheinen mag. Unter dem Mikroskop offenbart sich ein regelrechter Wald aus winzigen, etwa 10 Mikrometer hohen Noppen, die zusätzlich mit noch feineren wachsartigen Auswüchsen von rund 100 Nanometern bedeckt sind. Diese zweistufige, hierarchische Struktur bewirkt, dass ein Wassertropfen keinerlei Halt findet: Statt sich auszubreiten, zieht er sich zu einer nahezu perfekten Kugel zusammen und rollt einfach ab. Da er auf seinem Weg jedes noch so kleine Stäubchen mitnimmt, reinigt sich das Blatt von selbst. In der Fachsprache nennt man eine derart extrem wasserabweisende Oberfläche superhydrophob.

Ingenieure erkannten rasch den immensen Wert einer solchen Oberfläche in einer Welt, in der uns Regen, Schmutz und Feuchtigkeit zusetzen. Heute finden Sie den Lotuseffekt in Fassadenfarben, auf selbstreinigendem Glas, in der Autokosmetik und bei technischen Textilien. Das Prinzip ist stets dasselbe: Es wird eine Nanostruktur geschaffen, an der weder Wasser noch Schmutz haften können. Nach exakt derselben Logik funktioniert auch der moderne nanotechnologische Oberflächenschutz, den Sie selbst auf Fenster oder Autokarosserien auftragen können. Die Oberfläche wird auf molekularer Ebene geglättet, das Wasser perlt ab und nimmt den Schmutz direkt mit. Bevor ein solches Produkt in unseren Shop gelangt, prüfen wir es intern auf Herz und Nieren – und wir lehnen weitaus mehr Produkte ab, als wir letztlich in unser Sortiment aufnehmen.

Der Gecko: ein Meister des Haftens ganz ohne Klebstoff

Der Gecko vollbringt etwas, das fast wie Zauberei anmutet: Er läuft an glatten Glasscheiben empor, flitzt kopfüber an der Decke entlang und kann sich sogar mit nur einem einzigen Fuß festhalten. Dabei befindet sich an seinen Zehen nicht ein einziger Tropfen Klebstoff. Wie ist das möglich?

Die Antwort verbirgt sich einmal mehr im Nanomaßstab. Die Fußsohlen des Geckos sind mit Millionen mikroskopisch kleiner Keratinhärchen, den sogenannten Setae, bedeckt. Jedes dieser Härchen spaltet sich an seinem Ende in Hunderte noch feinere Fortsätze von etwa 200 Nanometern Größe auf. Wenn eine derart gewaltige Zahl winziger Spitzen eine Oberfläche berührt, beginnen zwischen ihnen und dem Untergrund die sogenannten Van-der-Waals-Kräfte zu wirken. Das sind schwache zwischenmolekulare Anziehungskräfte, die einzeln betrachtet kaum ins Gewicht fallen. Treten sie jedoch milliardenfach gleichzeitig auf, können sie mühelos das Gewicht einer ganzen Echse tragen. Keine Chemie, sondern reine Physik im Maßstab der Atome.

Dieses Prinzip inspiriert heute die Entwicklung von „Trockenklebstoffen“ und Greifmaterialien, die haften und sich wieder lösen lassen, ohne klebrige Rückstände zu hinterlassen. Ob in der Robotik, bei Kletterausrüstung oder bei Materialien für die Raumfahrt – überall sind Oberflächen gefragt, die allein durch die Kraft der Moleküle haften und dafür keine Flüssigkeiten benötigen. Übrigens ist die Oberfläche des Geckofußes dank dieser speziellen Struktur obendrein selbstreinigend, ganz ähnlich wie das Lotusblatt.

Was ist Nanotechnologie und wo begegnet sie uns in der Natur?

Schmetterlingsflügel und Farbe ohne Farbe

Wenn Sie die leuchtend blauen Flügel eines Schmetterlings der Gattung Morpho betrachten, werden Sie Zeuge einer der schönsten Illusionen der Natur. Diese intensive blaue Färbung wird nämlich nicht durch Pigmente erzeugt. Auf dem gesamten Flügel gibt es keinen einzigen blauen Farbstoff. Die Farbe entsteht rein aus der Art und Weise, wie sich das Licht an winzigen Chitin-Nanostrukturen bricht und spiegelt, deren Abmessungen exakt den Wellenlängen des sichtbaren Lichts entsprechen.

Dieses Phänomen nennt man Strukturfarbe. Ihre optische Erscheinung, bei der eine Oberfläche je nach Blickwinkel in verschiedenen Tönen schimmert, kennen Sie als Irisieren – vergleichbar mit dem schillernden Farbenspiel einer Seifenblase oder einer Vogelfeder. Schmetterlinge der Gattung Morpho tragen auf ihren Flügeln natürliche photonische Kristalle: winzige, hochgradig regelmäßige Strukturen, die nur eine ganz bestimmte Wellenlänge des Lichts reflektieren. Das Ergebnis ist ein strahlendes, blendendes Blau, das niemals verblasst, da es keinen Farbstoff enthält, der im Laufe der Zeit oxidieren oder ausbleichen könnte.

Für Ingenieure gleicht dies einem kleinen Wunder. Strukturfarben verblassen nie, kommen völlig ohne giftige Pigmente aus und lassen sich durch eine gezielte Veränderung der Struktur sogar „umschalten“. Nach diesem Vorbild entwickeln Wissenschaftler heute dauerhafte farbige Beschichtungen, neuartige Displays, Sensoren, die auf kleinste Temperaturänderungen reagieren, sowie fälschungssichere Schutzmerkmale. Eine ähnliche Strukturfarbe besitzen übrigens auch metallisch glänzende Käfer oder Glanzstare. Die Natur hat es vollbracht, Farbe buchstäblich aus Licht und Form zu erschaffen – eine Kunst, die wir uns gerade erst aneignen.

Spinnenseide: fester als Stahl, leichter als Baumwolle

Wenn Sie nach dem weltweit besten Material im Hinblick auf das Verhältnis von Festigkeit zu Gewicht suchen, wäre Spinnenseide einer der absoluten Favoriten. Ein Faden aus einem Spinnennetz ist bei gleicher Dicke fester als Stahl und zäher als Kevlar. Er kann eine enorme Energiemenge absorbieren, bevor er reißt. Und dabei „produziert“ die Spinne diesen Hochleistungsfaden bei normaler Umgebungstemperatur aus in Wasser gelösten Eiweißen – ganz ohne ein einziges Gramm Abfall zu hinterlassen.

Das Geheimnis liegt auch hier in der Nanostruktur. Spinnenseide besteht aus Eiweißketten, die sich an bestimmten Stellen zu winzigen, äußerst geordneten Nanokristallen falten und durch elastischere Abschnitte miteinander verbunden sind. Diese raffinierte Kombination aus harten und weichen Bereichen im Nanomaßstab verleiht dem Faden gleichzeitig Festigkeit und Elastizität – zwei Eigenschaften, die sich in herkömmlichen Materialien nur schwer vereinen lassen.

Wissenschaftler versuchen seit Jahrzehnten, Spinnenseide künstlich nachzuahmen. Das ist alles andere als einfach: Das Eiweiß allein genügt nicht; es kommt vielmehr entscheidend darauf an, wie es sich im Nanomaßstab anordnet. Im Jahr 2024 zeigten Forscher des Karolinska-Instituts, dass Spinnen einen besonderen natürlichen „molekularen Verstärker“ nutzen, um ihren Faden zu festigen. Genau dieser Kniff ließ sich anwenden, um auf ungiftigem Weg synthetische Seide herzustellen. Künstliche Spinnenseide könnte eines Tages synthetische Materialien in chirurgischen Nähten, Verbundwerkstoffen und Schutzkleidung ersetzen. Dass Nanofasern keine bloße Theorie, sondern ein hervorragend funktionierendes Produkt für den Alltag sind, beweist auch unsere Nanocotton-Bettwäsche für Allergiker.

Perlmutt und Seeigelstacheln: Festigkeit aus spröden Rohstoffen

Eines der größten Rätsel der natürlichen Ingenieurskunst ist die Frage, wie es die Natur schafft, ein hartes und zähes Material aus völlig spröden Rohstoffen zu konstruieren. Nehmen wir als Beispiel Perlmutt – die schimmernde innere Schicht von Muschelschalen. Es besteht überwiegend aus Calciumcarbonat, also aus Kalk, der für sich genommen sehr leicht bricht. Die Natur lagert diesen Kalk jedoch in Tausenden hauchdünner Nanoschichten ab, die von einem elastischen Eiweiß durchsetzt sind – ganz ähnlich wie Ziegelsteine, die durch Mörtel zusammengehalten werden. Übt man Druck auf ein solches Material aus, breitet sich ein entstehender Riss nicht geradlinig aus. Er schlängelt sich vielmehr zwischen den Schichten hindurch und verliert dabei rasch seine Energie. Dadurch ist Perlmutt um ein Vielfaches bruchfester als der reine Kalk, aus dem es eigentlich besteht.

Einen ähnlichen architektonischen Kniff nutzen die Stacheln von Seeigeln. Sie bestehen aus Calcit, das gewöhnlich spröde und brüchig ist. Dank ihrer inneren Nanostruktur sind sie jedoch bemerkenswert stabil. Materialwissenschaftler ließen sich davon bereits bei der Entwicklung von außerordentlich widerstandsfähigem Beton inspirieren. Aus solchen natürlichen „Nanokompositen“ lernen wir, Materialien zu erschaffen, die zugleich extrem fest und erstaunlich leicht sind – der Traum eines jeden Konstrukteurs von Flugzeugen, Autos und Schutzausrüstung.

Nanofasern: wie der Mensch die Natur einholte

Bislang stand die Natur in der Rolle der Lehrmeisterin und der Mensch in der des Schülers. Bei den Nanofasern jedoch begegnen wir uns erstmals auf Augenhöhe – und Tschechien war maßgeblich daran beteiligt. Die Technologie zur industriellen Herstellung von Nanofasern (das Gerät Nanospider) wurde von Wissenschaftlern der Technischen Universität Liberec entwickelt, einer der Wiegen der modernen Nanotechnologie-Industrie.

Eine Nanofaser ist eine Faser, die tausendmal dünner ist als ein menschliches Haar. Bildet man aus unzähligen solcher Fasern eine Schicht, entsteht eine Membran voller mikroskopisch kleiner Poren. Und genau darin liegt ihr Zauber: Die Poren sind groß genug, um Luft und Wasserdampf hindurchzulassen, aber klein genug, um alle Partikel aufzuhalten, die Sie nicht in Ihrer Nähe haben möchten. Die Membran wirkt wie eine undurchdringliche Barriere – ganz ähnlich, wie der Wald aus winzigen Vorsprüngen auf dem Lotusblatt das Wasser nicht eindringen lässt.

Bei der antiallergischen Nanocotton-Bettwäsche ist diese Nanofasermembran im Inneren der Baumwolle verborgen. Ihre Aufgabe ist ebenso simpel wie wesentlich: Sie bildet eine mechanische Barriere, die Hausstaubmilben und deren Allergene zuverlässig von Ihrer Haut und Ihren Atemwegen fernhält. Die Bettwäsche bleibt dabei vollkommen atmungsaktiv und bietet höchsten Schlafkomfort. Sie schwitzen nicht unter einer luftdichten Folie, wie es bei älteren „antiallergischen“ Bezügen oft der Fall war. Diese physikalische Barrierefunktion ist der entscheidende Vorteil und weitaus wirkungsvoller als gut gemeinte Ratschläge nach dem Motto „einfach bei 60 °C waschen“. Dieselbe Membran schützt auch die Bettdecke selbst in unserer Nanocotton-Bettwäsche für Bettdecken. Wenn Sie im Detail wissen möchten, wie Nanocotton hergestellt wird und für wen sich das Material besonders eignet, empfehlen wir Ihnen unseren ausführlichen Ratgeber zur Bettwäsche für Allergiker.

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Die Natur als Fabrik für Nanopartikel

Die Natur glänzt jedoch nicht nur als meisterhafte Architektin von Strukturen – sie erzeugt auch selbst eine unerschöpfliche Menge an Nanopartikeln. Diese entstehen bei Vulkanausbrüchen, im Meerwasser, in Sedimenten, in Gletscherablagerungen und in Erzen. Darunter finden sich Nanopartikel aus Quarz, Calciumcarbonat, Eisenoxiden oder auch Silber. Einige davon macht sich der Mensch bereits zunutze – etwa bei der Wasserreinigung oder in der Landwirtschaft.

Was einst rein zufällig in den Tiefen der Ozeane oder im brodelnden Inneren von Vulkanen entstand, können wir heute gezielt herstellen und präzise messen. Und genau darin liegt das wahre Wesen der modernen Nanotechnologie: Wir erfinden nichts gegen die Natur, sondern wir lernen, das nachzuahmen, was die Natur längst erfolgreich erprobt hat. Falls Sie sich fragen, ob mit der Nanotechnologie auch Risiken verbunden sind, lesen Sie unseren Artikel darüber, ob Nanotechnologien sicher sind.

Was ist Nanotechnologie und wo begegnet sie uns in der Natur?

Warum es sich lohnt, von der Natur zu lernen

Die Nanotechnologien der Natur haben einen unschlagbaren Vorteil: Sie entstanden in einem über Millionen Jahre andauernden evolutionären Härtetest, bei dem nur das überlebte, was wirklich funktionierte. Kein menschliches Ingenieursteam der Welt hat so viel Zeit oder so viele Versuche zur Verfügung. Wenn wir also beobachten, wie sich das Lotusblatt selbst reinigt, wie der Gecko allein durch die Kraft der Moleküle am Glas haftet und wie die Spinne einen Faden webt, der fester ist als Stahl, dann haben wir bereits perfekt bewährte Lösungen vor uns. Wir müssen sie nur noch verstehen.

Gerade deshalb ist die Bionik eine der vielversprechendsten Disziplinen der modernen Materialforschung. Und genau deshalb sind wir bei nanoSPACE der festen Überzeugung, dass die Nanotechnologie keineswegs eine „unnatürliche Wissenschaft“ ist. Ganz im Gegenteil: Sie ist das Natürlichste auf der Welt. Wir holen lediglich Schritt für Schritt das ein, was die Natur schon lange vor uns gemeistert hat.

Häufig gestellte Fragen

Was ist Nanotechnologie einfach erklärt?

Die Nanotechnologie umfasst alle Methoden, die es erlauben, mit Materie im winzigen Maßstab von 1 bis 100 Nanometern (Milliardstelmetern) zu arbeiten. In dieser Größenordnung erhält Materie völlig neue Eigenschaften: Eine Oberfläche kann beispielsweise extrem wasserabweisend werden, Farbe kann komplett ohne Pigmente entstehen, oder ein Material ist plötzlich zugleich enorm fest und erstaunlich leicht.

Wo kommt Nanotechnologie in der Natur vor?

Praktisch überall. Wir finden sie auf Lotusblättern (selbstreinigende Oberflächen), an den Füßen von Geckos (Haftung ohne Klebstoff), auf den Flügeln von Schmetterlingen (Farbe ohne Pigmente), in der Spinnenseide, im Perlmutt von Muscheln, in den Stacheln von Seeigeln sowie in Form von natürlichen Nanopartikeln im Meerwasser, in Vulkanasche oder in Sedimenten.

Was ist der Lotuseffekt?

Der Lotuseffekt beschreibt die selbstreinigende Eigenschaft der Lotusblatt-Oberfläche. Diese bildet eine zweistufige Nanostruktur, an der Wasser keinen Halt findet: Es zieht sich zu einer Kugel zusammen, rollt ab und nimmt dabei jeglichen Schmutz mit. Dieses Prinzip wird heute erfolgreich bei selbstreinigenden Fassaden, Glas, Autokosmetik und technischen Textilien angewendet.

Was ist Bionik?

Die Bionik ist ein wissenschaftliches Fachgebiet, das in der Natur entstandene Lösungen erforscht und auf die Technik überträgt. Dazu zählen etwa der von der Klette inspirierte Klettverschluss, selbstreinigende Oberflächen nach dem Vorbild des Lotus, Trockenklebstoffe nach dem Vorbild des Geckos oder künstliche Spinnenseide. Die moderne Bionik operiert dabei sehr oft direkt auf der Ebene der Nanostrukturen.

Wie hängen Nanofasern mit der Natur zusammen?

Nanofasern zeigen, dass der Mensch die Natur in mancher Hinsicht bereits einholen kann. Aus ihnen lässt sich eine Membran mit winzigen Poren fertigen, die Luft und Feuchtigkeit durchlässt, aber unerwünschte Partikel blockiert. Ähnlich wie die Natur schützende Barrieren mithilfe von Nanostrukturen aufbaut, nutzt auch die antiallergische Nanocotton-Bettwäsche eine Nanofasermembran. Diese bildet eine undurchdringliche mechanische Barriere gegen Hausstaubmilben und deren Allergene.

Josef Handrejch von nanoSPACE
Josef Handrejch hat an der Technischen Universität Liberec studiert und widmet sich bei nanoSPACE der Forschung und Entwicklung neuer Nanofaserprodukte. Er verfügt über umfangreiche Erfahrung in der Textilproduktion und im innovativen Einsatz von Nanofasermaterialien.

Quellen

  • Bhushan, B. (2009) 'Biomimetics: lessons from nature - an overview', Philosophical Transactions of the Royal Society A, 367(1893), 1445-1486.
  • Bhushan, B. & Gupta, B. (2008) 'Biomimetic hierarchical structures for hydrophobicity, self-cleaning, and low adhesion', Philosophical Transactions of the Royal Society A, 366(1870), 1557-1574.
  • Sarikaya, M. & Aksay, I. A. (2011) 'Biomimetics: Lessons from nature - An overview', Philosophical Transactions of the Royal Society A, 369(1945), 1598-1613.
  • Autumn, K. et al. (2002) 'Evidence for van der Waals adhesion in gecko setae', Proceedings of the National Academy of Sciences, 99(19), 12252-12256.
  • Vukusic, P. & Sambles, J. R. (2003) 'Photonic structures in biology', Nature, 424, 852-855.
  • Karolinska Institutet (2024) 'New ways to strengthen biomimetic spider silk', verfügbar auf phys.org.