Sie verlassen die Arztpraxis mit der Diagnose „Dermatitis“, in der Apotheke reicht man Ihnen eine Salbe gegen Ihr „Ekzem“ – und wenn Sie an sich herabschauen, sehen Sie vor allem eines: einen geröteten, quälend juckenden Hautausschlag. Drei Begriffe für ein und dasselbe Problem? Das stiftet oft mehr Verwirrung, als es nützt. Viele Betroffene fühlen sich alleingelassen und frustriert, ganz besonders dann, wenn die bisherige Behandlung einfach keine Linderung bringt. Doch um den Juckreiz endlich zu stoppen, gibt es einen wesentlichen ersten Schritt: Sie müssen die verschiedenen Ekzem-Arten kennenlernen und ihre feinen, aber entscheidenden Unterschiede verstehen. Die moderne Medizin unterscheidet heute eine ganze Reihe von Hautentzündungen, die auf den ersten Blick verblüffend ähnlich aussehen, deren Ursachen jedoch völlig unterschiedlich sind. Wenn Sie eine Pilzinfektion mit einer Creme behandeln, die eigentlich für allergische Reaktionen gedacht ist, wird sich Ihr Hautbild nicht verbessern – im Gegenteil. Ihre Haut arbeitet nämlich nicht gegen Sie; sie reagiert lediglich auf einen ganz spezifischen inneren oder äußeren Reiz. Welches Ekzem habe ich? Diese Frage quält unzählige Patienten. Um Ihnen echte Klarheit zu verschaffen, bietet Ihnen dieser umfassende Ratgeber einen verständlichen und medizinisch fundierten Überblick über die 12 häufigsten Ekzem-Arten. So verstehen Sie endlich, was genau mit Ihrer Haut passiert und wie Sie ihr effektiv helfen können.

Das Wichtigste in Kürze
- Die richtige Diagnose ist entscheidend für den Heilungserfolg: Die Anwendung einer falschen Creme kann das Hautproblem verschlimmern, weshalb die genaue Bestimmung der jeweiligen Ekzem-Arten die Grundlage jeder Therapie bildet.
- Ekzem und Dermatitis bedeuten dasselbe: Im klinischen Alltag sind dies Synonyme für eine Hautentzündung; die einzelnen Ekzem-Arten werden lediglich durch Beiwörter (wie atopisch, kontaktbedingt oder seborrhoisch) unterschieden.
- Die Ursache liegt oft in einer Kombination aus Innen und Außen: Eine Entzündung entsteht meist durch das Zusammenspiel einer gestörten Hautbarriere, einer spezifischen Reaktion des Immunsystems und einer Veränderung des Hautmikrobioms.
- Juckreiz hat unterschiedliche biologische Ursachen: Während bei der Nesselsucht Antihistaminika hervorragend wirken, wird das Jucken beim atopischen Ekzem oder beim Lichen simplex chronicus nicht durch Histamin ausgelöst.
- Die Basispflege vereint alle Formen: Der Wiederaufbau der schützenden Lipidschicht und eine besonders sanfte Reinigung helfen dabei, die Haut zu beruhigen – und zwar völlig unabhängig von der genauen dermatologischen Diagnose.
Unterschied Ekzem und Dermatitis: Warum beides (fast) das Gleiche ist
Besorgte Patienten fragen in der Praxis oft: „Habe ich nun ein Ekzem oder eine Dermatitis?“ In der klinischen Dermatologie werden beide Begriffe synonym verwendet. Das Wort Dermatitis stammt aus dem Griechischen und bedeutet schlichtweg Hautentzündung (derma = Haut, itis = Entzündung). Der Begriff Ekzem leitet sich vom griechischen Wort „ekzein“ ab, was so viel wie „aufwallen“ oder „überkochen“ bedeutet. Und genau dieses Bild beschreibt die akute Phase eines Ekzems mit seinen nässenden, winzigen Bläschen geradezu perfekt.
Fachärzte unterteilen diese entzündlichen Hauterkrankungen grob in zwei große Hauptgruppen. Exogene Ekzem-Arten entstehen durch direkte Einflüsse aus der Umwelt. Dazu zählen beispielsweise Kontaktreaktionen auf bestimmte Metalle, aggressive Chemikalien oder die chronische Reizung durch ständigen Wasserkontakt. Endogene Ekzem-Arten haben hingegen eine innere Ursache, typischerweise eine genetische Veranlagung oder eine spezifische Fehlregulation des Immunsystems. In diese zweite Gruppe fallen unter anderem das atopische oder das seborrhoische Ekzem.
Das Erscheinungsbild der Haut verändert sich je nach Stadium der Erkrankung stark. Ein akutes Ekzem ist stark gerötet, nässt und bildet winzige Bläschen (Vesikel). Ein chronisches Ekzem hingegen trocknet stark aus. Die Haut wird rau, verdickt sich, verhornt, reißt ein und bildet eine sogenannte Lichenifikation – eine lederartige Verdickung mit stark vergröbertem Hautrelief.
Auf zellulärer Ebene stützt sich die Entstehung fast aller Ekzem-Arten auf drei zentrale Säulen. Die erste Säule ist eine defekte Hautbarriere, der es an Ceramiden (dem Lipid-Zement zwischen den Zellen) und wichtigen Strukturproteinen wie Filaggrin mangelt. Die zweite Säule ist ein fehlreguliertes Immunsystem, bei dem die weißen Blutkörperchen selbst auf harmlose Alltagsreize überzogen reagieren. Die dritte Säule bildet ein aus dem Gleichgewicht geratenes Mikrobiom, bei dem plötzlich krankmachende Bakterien wie Staphylococcus aureus die Überhand auf der Hautoberfläche gewinnen. Wenn Sie tiefer in die Mechanismen entzündlicher Hautreaktionen eintauchen möchten, lesen Sie unseren Beitrag Juckender Hautausschlag: Ursachen.
Vergleichstabelle: Die 12 Ekzem-Arten auf einen Blick
| Typ | Hauptmerkmal | Typische Körperregion | Verbreitung (Prävalenz) |
|---|---|---|---|
| Atopisches Ekzem (Neurodermitis) | Starker Juckreiz + trockene Haut + Verdickung (Lichenifikation) | Armbeugen, Kniekehlen, Gesicht, Hals | ~11 % der Kinder, ~6 % der Erwachsenen weltweit (Dermatitis 2024) |
| Kontaktekzem (ICD+ACD) | Rötung und Bläschenbildung exakt nach Kontakt | Hände, Gesicht, Nacken | 20,1 % (WAO 2025) |
| Seborrhoisches Ekzem | Fettige Schuppen, gelbliche Krusten | Kopfhaut, Gesicht, Brustmitte | 1–5 % (135,7 Mio. laut GBD 2021) |
| Dyshidrotisches Ekzem | Winzige, harte „Tapioka“-Bläschen | Handflächen, Fingerseiten, Fußsohlen | 5–20 % aller Handekzeme |
| Nummuläres Ekzem | Münzförmige, scharf begrenzte Herde | Unterschenkel, Rumpf | 0,07–0,26 % (JDDG 2025) |
| Stauungsekzem (varikös) | Braune Pigmentierung, Schwellung | Unterschenkel | 5,9–6,9 % bei über 50-Jährigen |
| Austrocknungsekzem (Asteatotisch) | Risse wie bei „gesprungenem Porzellan“ | Unterschenkel, Arme | > 40 % der Senioren in Pflege (Japan) |
| Lichen simplex chronicus (LSC) | Verdickte Herde durch jahrelanges Kratzen | Nacken, Knöchel, Genitalbereich | ~12 % der Bevölkerung |
| Periorale Dermatitis | Kleine Pickelchen, spart das Lippenrot aus | Rund um Mund und Nase | 90 % davon Frauen (16–45 Jahre) |
| Nesselsucht (akut) | Erhabene Quaddeln mit blassem Zentrum | Gesamter Körper möglich | 20 % Lebenszeitprävalenz |
| Chronische Urtikaria (CSU) | Quaddelbildung über mehr als 6 Wochen | Gesamter Körper möglich | 1,4 % der Bevölkerung |
| Berufsekzem | Hautschäden primär durch Arbeitsbedingungen | Hände, Unterarme | bis zu 38 % in Risikoberufen |
Diese Tabelle dient Ihnen zur schnellen Orientierung. In den folgenden Abschnitten nehmen wir alle 12 Ekzemformen im Detail unter die Lupe und beleuchten die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zu ihrer Behandlung.
Kontaktekzem: Wenn Ihr Körper plötzlich „Stopp“ sagt
Beim Kontaktekzem unterscheiden Dermatologen zwei grundverschiedene Prozesse: das allergische (ACD) und das irritative (toxische) Kontaktekzem (ICD). Neurodermitis oder Kontaktekzem? Diese Unterscheidung ist maßgeblich, da sie über den Erfolg Ihrer Behandlung bestimmt.
Das allergische Kontaktekzem basiert auf einem immunologischen Gedächtnis. Es handelt sich um eine sogenannte Typ-IV-Allergie (Spättyp). Im Gegensatz zum Heuschnupfen, der binnen Minuten zuschlägt, zeigt sich die Hautreaktion hier erst 48 bis 72 Stunden nach dem Kontakt. Winzige Moleküle, sogenannte Haptene, dringen durch die Haut, binden sich an körpereigene Proteine und werden von den Immunzellen als Feind abgespeichert. Beim nächsten Kontakt mit dem Allergen bricht eine heftige Entzündungsreaktion aus. Das irritative Kontaktekzem funktioniert dagegen ganz anders. Es entsteht durch die direkte toxische Zerstörung der Hautbarriere durch aggressive Chemikalien, Lösungsmittel oder starke Tenside (wie SLS, Sodium Lauryl Sulfate in Putzmitteln). Es benötigt keine vorherige Sensibilisierung und betrifft jeden Menschen, der dem Reizstoff lange genug ausgesetzt ist.
Zu den häufigsten Kontaktallergenen in Europa zählt unangefochten Nickel, das bei 18,1 % der Bevölkerung eine Sensibilisierung auslöst. Dicht darauf folgen Duftstoffe mit 16 % (allein oxidiertes Linalool macht 11,1 % aus). Der Konservierungsstoff Methylisothiazolinon ist nach strengen EU-Regulierungen glücklicherweise von 8 % auf 2,9 % gesunken. Ein wachsendes Problem im Jahr 2024 ist jedoch der rasante Anstieg von Allergien gegen CEDMC, eine Substanz, die bei der Herstellung von Nitrilhandschuhen verwendet wird.
Die Diagnose stellt der Arzt durch einen Epikutantest (Patch-Test) auf dem Rücken. Die europäische Standardreihe (ESCD) testet die 32 häufigsten Auslöser. Die Therapie erfordert in erster Linie die absolute Vermeidung des Auslösers, wobei die vollständige Heilung der Hautbarriere bis zu 6 Monate dauern kann. Für den Alltag und den Schutz der Hautbarriere am Arbeitsplatz empfehlen wir die AtopCare Handcreme, die stark beanspruchte Haut intensiv regeneriert. In der Akutphase verschreiben Ärzte topische Kortikosteroide, bei schweren Verläufen das systemische Medikament Alitretinoin.
Die moderne Medizin hat hier große Fortschritte gemacht. 2025 ließ die US-Behörde FDA den JAK-Inhibitor Delgocitinib (Markenname Anzupgo) als erste spezifische Therapie für chronische Handekzeme zu. Besonders schwere Fälle werden zudem erfolgreich mit dem Biologikum Dupilumab behandelt.
Wann zum Arzt? Suchen Sie umgehend einen Dermatologen auf, wenn sich die Reaktion weit über die ursprüngliche Kontaktstelle hinaus ausbreitet, wenn sich Bläschen im Gesicht bilden oder wenn der Ausschlag nach zwei Wochen Basispflege nicht abklingt. Weitere Informationen zu flächigen Reaktionen finden Sie im Artikel Juckender Ausschlag am ganzen Körper.
Seborrhoisches Ekzem: Schuppen als Symptom, nicht als Diagnose
Laut den Daten der Global Burden of Disease Studie (GBD 2021) leiden weltweit 135,7 Millionen Menschen an einem seborrhoischen Ekzem – ein dramatischer Anstieg von 53 % seit 1990. Viele Patienten schämen sich und glauben fälschlicherweise, die fettigen Schuppen und Rötungen seien ein Zeichen mangelnder Hygiene. Doch das Gegenteil ist der Fall.
Die Entstehung der Seborrhoe liegt in einem komplexen Zusammenspiel zwischen der Haut und ihrem Mikrobiom. Auf unserer Hautoberfläche leben natürlicherweise Hefepilze der Gattung Malassezia. Bei gesunden Menschen verursachen diese Pilze keinerlei Probleme. Bei Patienten mit seborrhoischem Ekzem jedoch spalten diese Hefepilze die hauteigenen Fette auf, wodurch die stark reizende Ölsäure entsteht. Diese dringt in die obere Hautschicht ein, löst eine Entzündungskaskade aus und zwingt die Haut zu einer beschleunigten Verhornung, was sich in den typischen fettigen, gelblichen Schuppen äußert.
Das Ekzem tritt genau dort auf, wo sich besonders viele Talgdrüsen befinden: auf der behaarten Kopfhaut, in den Nasolabialfalten, in den Augenbrauen und oft auch in der Mitte der Brust. Bei dunkleren Hauttypen fehlt oft die klassische Rötung (Erythem); die betroffenen Stellen weisen stattdessen eine eher violette Verfärbung auf.
Interessanterweise offenbart die medizinische Forschung hier faszinierende neurologische Zusammenhänge. Eine seborrhoische Dermatitis tritt bei 18,6 bis 59 % der Parkinson-Patienten auf, während sie in der Allgemeinbevölkerung nur 1 bis 5 % betrifft. Sie gilt in der Forschung mittlerweile als möglicher früher Biomarker für diese neurologische Erkrankung.
Die Basisbehandlung besteht in der Anwendung von Antimykotika (pilzabtötenden Mitteln), typischerweise Shampoos oder Cremes mit 2 % Ketoconazol oder Ciclopirox. Ein wichtiger Durchbruch gelang 2023 mit der Zulassung eines 0,3%igen Roflumilast-Schaums. In klinischen Studien erreichten 80 % der Patienten hervorragende Ergebnisse, und bei 50 % war die Haut nach 8 Wochen erscheinungsfrei. Gehen Sie zum Arzt, wenn sich die Herde stark ausbreiten, nässende Wunden entstehen oder frei verkäufliche Anti-Schuppen-Shampoos nach 4 Wochen keine Linderung bringen. Einen detaillierten Leitfaden finden Sie unter Was ist seborrhoische Dermatitis.
Dyshidrotisches Ekzem: Winzige Bläschen, große Frustration
Der Name dieser Erkrankung beruht auf einem historischen medizinischen Irrtum. Das Wort „dyshidrotisch“ suggeriert eine Fehlfunktion der Schweißdrüsen. Heute wissen wir zweifelsfrei, dass die Schweißdrüsen absolut nichts mit der Bildung dieser Bläschen zu tun haben. Wenn Patienten dies verstehen, hören sie endlich auf, die Schuld bei schwitzigen Händen zu suchen, und können sich auf die richtige Pflege konzentrieren.
Dieser Typ macht etwa 5 bis 20 % aller Handekzeme aus. Er äußert sich durch den plötzlichen Ausbruch von harten, tief in der Haut liegenden Bläschen (Vesikeln), die etwa 1 bis 2 Millimeter groß sind. Sie erinnern optisch an Tapiokaperlen und treten symmetrisch an den Seitenflächen der Finger, in den Handinnenflächen und an den Fußsohlen auf. Der Juckreiz ist oft unerträglich. Diese Bläschen platzen nur selten auf; stattdessen trocknen sie im Laufe von 2 bis 3 Wochen langsam ein und hinterlassen eine rissige, sich stark schälende Haut.
Die Auslöser sind oft schwer zu fassen. Eine häufige Ursache ist eine Kontaktallergie gegen Metalle. Nickel und Kobalt wirken hier oft als Duo – bis zu 25 % der nickelallergischen Patienten reagieren auch auf Kobalt. Ein weiterer, oft übersehener Auslöser ist eine aktive Pilzinfektion an den Füßen (Tinea pedis). Der Körper entwickelt eine sogenannte Id-Reaktion, eine allergische Antwort auf Distanz. Die alleinige Heilung des Fußpilzes lässt bei einem Drittel der Patienten das dyshidrotische Ekzem an den Händen komplett verschwinden!
Dermatologen setzen bei der Behandlung auf hochpotente Kortikosteroide, da die Haut an den Handflächen extrem dick ist und Wirkstoffe nur schwer eindringen. Bei schweren Verläufen hilft die PUVA-Lichttherapie oder sogar die Injektion von Botulinumtoxin (da 7 von 10 Patienten begleitend unter Hyperhidrose leiden). Das systemische Medikament Alitretinoin zeigt gute Ergebnisse. Das Jahr 2025 brachte zudem Delgocitinib (Anzupgo) auf den Markt, das in den renommierten DELTA-1- und DELTA-2-Studien (veröffentlicht im Fachmagazin Lancet) eine hohe Wirksamkeit bei chronischen Handekzemen bewies. Konsultieren Sie einen Arzt, wenn das Ekzem mehr als dreimal im Jahr auftritt oder sich tiefe, blutende Risse bilden. Alles Weitere erfahren Sie in unserem Beitrag Dyshidrotisches Ekzem: Behandlungsratgeber.
Nummuläres Ekzem: Münzförmige Herde, die oft falsch gedeutet werden
Das nummuläre Ekzem bildet scharf begrenzte, münzförmige (nummuläre) rote Herde, die stark jucken. Es betrifft am häufigsten Männer im Alter zwischen 50 und 65 Jahren. Die Läsionen treten primär an den Unterschenkeln und am Rumpf auf, neigen stark zum Nässen und bilden oft hartnäckige Krusten.
Im Jahr 2023 gab es eine bedeutende medizinische Neubewertung dieser Krankheit. Eine vielbeachtete Studie im Journal of Allergy and Clinical Immunology (Bohner et al.) bezeichnete das nummuläre Ekzem als den „vernachlässigten Zwilling“ der atopischen Dermatitis. Beide Erkrankungen teilen sich eine ausgeprägte Fehlfunktion der Hautbarriere, eine Erhöhung bestimmter weißer Blutkörperchen (Eosinophilie) und eine starke Besiedelung der Haut mit dem Bakterium Staphylococcus aureus. Der Unterschied wird erst unter dem Mikroskop sichtbar: Das histologische Bild des nummulären Ekzems erinnert eher an eine Schuppenflechte (Psoriasis), da es eine gleichzeitige Th2- und Th17-Entzündungsantwort zeigt.
Der häufigste Auslöser ist sehr trockene Haut, unter der zwei Drittel der betroffenen Patienten leiden. Kaltes Klima, häufiges und heißes Duschen sowie lokale mechanische Verletzungen (wie ein kleiner Kratzer oder ein Insektenstich) können sofort die Bildung eines neuen münzförmigen Herdes provozieren. Zur täglichen Rückfettung nach dem Duschen eignet sich die AtopCare pflegende Körpercreme hervorragend, da sie die Barriere schützt und Feuchtigkeit einschließt.
Die medizinische Behandlung erfordert oft mittelstarke bis starke topische Kortikosteroide, da die münzförmigen Plaques sehr widerstandsfähig sind. Interessante Daten lieferte die Forschung zu systemischen Medikamenten: Während Apremilast in Studien der TU München (2025) enttäuschte, bringt die biologische Therapie mit Dupilumab in aktuellen Fallberichten eine dauerhafte Klärung der Haut. Ein Arztbesuch ist zwingend erforderlich, wenn sich die Herde ausbreiten, vor allem um das Ekzem von einer sehr ähnlich aussehenden Pilzinfektion (Tinea corporis) abzugrenzen.
Stauungsekzem (varikös): Eine venöse Ursache mit Hautsymptomen
Das Stauungsekzem (auch variköses Ekzem genannt) betrifft 5,9 bis 6,9 % der Bevölkerung über 50 Jahren. In der Altersgruppe der über 70-Jährigen klettert die Prävalenz sogar auf über 20 %. Es handelt sich hierbei primär gar nicht um eine Hautkrankheit, sondern um die direkte Folge eines versagenden Gefäßsystems in den Beinen.
Die Pathophysiologie beginnt mit einer chronischen Veneninsuffizienz. Die Venenklappen in den Unterschenkeln schließen nicht mehr richtig. Das Blut staut sich, was zu einem starken Druckanstieg in den Venen führt (von normalen Werten unter 30 mmHg auf bis zu 80–90 mmHg). Dieser hohe Druck presst weiße Blutkörperchen aus den Gefäßen in das umliegende Gewebe, wo sie festsitzen und eine chronische Entzündung befeuern. Gleichzeitig zerfallen rote Blutkörperchen im Gewebe. Dabei wird das eisenhaltige Pigment Hämosiderin in der Haut abgelagert, was zu der typischen, rostbraunen Verfärbung der Unterschenkel. Die ständigen Entzündungssignale lösen einen quälenden Juckreiz aus.
Bleibt dieser Zustand unbehandelt, drohen schwere Komplikationen. Das Unterhautfettgewebe verhärtet und vernarbt (Lipodermatosklerose). Die Haut wird nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen versorgt und bricht schließlich auf. Es entstehen offene Beine (Ulcus cruris), die 60 bis 80 % aller Unterschenkelgeschwüre ausmachen – mit einer extrem hohen Rückfallquote von 80 % innerhalb von 3 Monaten. Bei bis zu 37 % der Patienten kommt es zudem zu einer Autoekzematisation, bei der sich der Ausschlag plötzlich über den gesamten Körper ausbreitet.
Dermatologen warnen hier vor einer tückischen Falle: Fast 46,7 % der Patienten entwickeln eine Kontaktallergie gegen ihre eigenen Behandlungssalben! Sie reagieren allergisch auf Inhaltsstoffe wie Bacitracin, Perubalsam oder klassische Konservierungsstoffe in den Cremes. Die Wahl der Pflegeprodukte muss daher besonders strengen Kriterien genügen; reine Apothekenvaseline ohne jegliche Zusätze ist oft die sicherste Wahl. Die absolute Basis der Therapie bleibt jedoch die Kompressionstherapie (Stützstrümpfe), auch wenn leider nur 50 bis 60 % der Patienten diese konsequent tragen. Suchen Sie sofort einen Arzt auf, wenn die Haut aufbricht oder sich zunehmend verhärtet.

Austrocknungsekzem (Asteatotisches Ekzem): Wenn die Haut verdurstet
Das Austrocknungsekzem, in der Fachsprache auch Exsikkationsekzem oder asteatotisches Ekzem genannt, ist die mit Abstand häufigste Ekzemerkrankung bei Senioren. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 69 Jahren. In japanischen Langzeitpflegeeinrichtungen erreicht die Prävalenz beachtliche 41,2 %. Dieses Ekzem wird nicht durch Allergien ausgelöst, sondern durch eine extreme, tiefgreifende Austrocknung der Haut.
Das klinische Bild ist unverwechselbar. Die Haut sieht aus wie gesprungenes Porzellan oder der ausgetrocknete Boden eines Wüstensees – ein Phänomen, das Dermatologen treffend als „Crazy Paving“ bezeichnen. Die Unterschenkel und Arme sind von feinen, rötlichen Rissen durchzogen, die die Haut in winzige, trockene und schuppige Plättchen unterteilen.
Mit zunehmendem Alter drosselt der Körper die Produktion wichtiger Hautlipide (Ceramide, Cholesterin und freie Fettsäuren) deutlich. Gleichzeitig verlieren die Hautzellen die Fähigkeit, Wasser zu binden – sie können die Feuchtigkeit schlichtweg nicht mehr im Inneren halten. Der transepidermale Wasserverlust (TEWL) steigt auf das 75-fache des Normalwertes an! Die oberste Hautschicht schrumpft zusammen und reißt mechanisch auf. Durch diese mikroskopisch kleinen Risse dringen alltägliche Reizstoffe aus der Umwelt ungehindert ein und entfachen eine Entzündung.
Dermatologen warnen bei Senioren vor einem seltenen, aber lebenswichtigen Warnsignal: Wenn sich ein asteatotisches Ekzem bei einem älteren Patienten plötzlich über den gesamten Körper ausbreitet und selbst auf Kortisonsalben nicht reagiert, muss dringend ein T-Zell-Lymphom oder ein Hodgkin-Lymphom ausgeschlossen werden. In seltenen Fällen ist dies nämlich das erste sichtbare Zeichen einer versteckten Krebserkrankung (ein sogenanntes paraneoplastisches Syndrom).
Die Standardbehandlung erfordert ein aggressives, konsequentes Rückfetten. Das Auftragen von lipidreicher Pflege auf die noch leicht feuchte Haut (innerhalb von drei Minuten nach dem Duschen) schließt das Wasser in der Epidermis ein. Hierfür empfiehlt sich besonders das AtopCare Körperöl, das Feuchtigkeit tief in der Haut bindet. Moderne Ansätze nutzen zudem Cremes mit N-Palmitoylethanolamin. In Japan gelten Heparinoid-Cremes (Hirudoid 0,3 %) als Goldstandard, die laut Literatur bei bis zu 95 % der Patienten zu einer Remission führen. Gehen Sie zum Arzt, wenn tiefe Risse im Gesicht auftreten oder sich das Ekzem rasant ausbreitet. Hilfe bei der Auswahl der richtigen Pflege finden Sie im Ratgeber Körperöl für trockene und atopische Haut.

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Produkt anzeigenLichen simplex chronicus: Der Teufelskreis aus Jucken und Kratzen
Achtung, Begriffsverwirrung! In der internationalen und englischsprachigen Fachliteratur wird diese Krankheit als „Neurodermatitis“ bezeichnet. Das stiftet bei deutschen Patienten große Verwirrung, denn wenn wir hierzulande von „Neurodermitis“ sprechen, meinen wir eigentlich das atopische Ekzem. Die korrekte medizinische Bezeichnung für das hier beschriebene Leiden ist der Lichen simplex chronicus (LSC).
Die Prävalenz dieser isolierten Ekzemform liegt bei etwa 12 %. Es handelt sich um eine lokalisierte Hauterkrankung mit einem bemerkenswerten diagnostischen Merkmal: Die verdickten, juckenden Herde entstehen ausschließlich an Körperstellen, die die Hände des Patienten problemlos erreichen können – typischerweise im Nacken, an den Fußknöcheln oder im Genitalbereich. Ein Lichen simplex chronicus entsteht niemals genau in der Mitte des Rückens zwischen den Schulterblättern. Der Grund dafür liegt im Entstehungsmechanismus.
Die Krankheit wird von einem unerbittlichen Teufelskreis angetrieben. Der Patient verspürt Juckreiz und kratzt sich. Das Kratzen beschädigt die oberste Hautschicht, wodurch entzündungsfördernde Botenstoffe freigesetzt werden. Diese aktivieren wiederum die Nervenenden, die dem Gehirn signalisieren: „Es juckt noch mehr!“ Das Gehirn speichert diese ständige Reizung ab und wird extrem überempfindlich – in der Medizin nennt man dies zentrale Sensibilisierung. Der eigentliche Akt des Kratzens verschafft dem Patienten eine starke neurologische Befriedigung, die auf einer Belohnungsskala mit 3,4 von 5 Punkten bewertet wird. Dieses starke Verhaltensmuster hält die Entzündung oft über Jahre hinweg am Laufen. Eine besonders wichtige Information für frustrierte Patienten: Dieser Juckreiz wird nicht durch Histamin verursacht. Die Einnahme handelsüblicher Antihistaminika (Allergietabletten) ist daher völlig wirkungslos.
Die psychologische Belastung ist erheblich. Patienten mit Angststörungen haben ein 41-fach erhöhtes Risiko, an LSC zu erkranken, und ganze 62 % der Diagnostizierten haben gleichzeitig eine psychiatrische Begleitdiagnose. Die Therapie erfordert das strikte Durchbrechen dieses Kratz-Zyklus. Dermatologen wenden oft starke Kortikosteroide unter einem Okklusivverband (Folienverband) an, um das Kratzen rein physisch unmöglich zu machen. Zur Dämpfung des neuropathischen Juckreizes werden teils Medikamente wie Gabapentin in Kombination mit kognitiver Verhaltenstherapie (KVT) eingesetzt. Gehen Sie zum Arzt, wenn intensivste Pflege und der eiserne Wille, sich nicht zu kratzen, den Zyklus nach zwei Wochen nicht stoppen können. Wie stark die Psyche die Haut beeinflusst, lesen Sie in unserem Beitrag Stressbedingter Hautausschlag.
Periorale Dermatitis: Das Paradoxon der scheinbar heilenden Creme
Bis zu 90 % der Betroffenen sind Frauen im Alter zwischen 16 und 45 Jahren. Die periorale (oder auch periorbitale) Dermatitis äußert sich durch einen plötzlichen Ausbruch von winzigen roten Papeln und Pusteln rund um den Mund, die Nase oder seltener die Augen. Ein geübter Blick des Hautarztes erkennt sofort ein diagnostisches Detail, das diese Krankheit eindeutig von Akne unterscheidet: Der Ausschlag spart das Lippenrot (Vermilion Border) stets aus. Es bleibt immer ein schmaler, blasser und völlig gesunder Hautstreifen direkt um die Lippen herum bestehen.
Die Hauptursache dieser Ekzem-Art ist ein echtes dermatologisches Paradoxon, das viele Betroffene überrascht. Die Krankheit wird fast immer durch die falsche oder zu lange Anwendung von kortisonhaltigen Cremes im Gesicht ausgelöst. Der Mechanismus ist bestens erforscht: Das Kortison hemmt die Produktion von Stickstoffmonoxid (NO), was zu einer starken Verengung der Blutgefäße (Vasokonstriktion) führt. Die Haut sieht plötzlich wunderbar blass, rein und gesund aus. Sobald die Patientin die Salbe jedoch absetzt, kommt es zu einem starken Rebound-Effekt. Die Blutgefäße weiten sich schlagartig, Blut schießt ins Gewebe und es entstehen hochgradig entzündliche Pusteln. Die verängstigte Patientin greift sofort wieder zur rettenden Kortisonsalbe. So entsteht eine echte physische Abhängigkeit der Haut von dem Medikament. Zudem gerät das Mikrobiom aus den Fugen, was zu einer Überwucherung mit Fusobakterien und Demodex-Milben führt.
Die Behandlung erfordert die sogenannte „Nulltherapie“. Das bedeutet das radikale und sofortige Absetzen sämtlicher Kosmetika und vor allem des Kortisons. Die Patientin muss vom Arzt eindringlich gewarnt werden: Der Zustand der Haut wird sich in den ersten Tagen dramatisch verschlechtern! Um diese akute Entzugsphase zu überbrücken, verschreiben Ärzte oft Metronidazol (0,75 %), 20%ige Azelainsäure oder Pimecrolimus. Schwere Verläufe erfordern die Einnahme oraler Antibiotika (Tetracycline) über 8 bis 12 Wochen. Das Jahr 2025 brachte neue Hoffnung in Form einer 0,3%igen Roflumilast-Creme, die in Studien für eine Klärung der Haut innerhalb von nur 5 Tagen und eine 11-monatige Remission sorgte. Schieben Sie den Arztbesuch nicht auf – diese Diagnose muss von einem Spezialisten gestellt werden, der Sie durch den schwierigen Kortison-Entzug begleitet.
Nesselsucht (Urtikaria): Allergischer Schock oder chronisches Rätsel?
Die Nesselsucht, medizinisch Urtikaria genannt, betrifft in ihrer akuten Form (die weniger als 6 Wochen andauert) im Laufe des Lebens bis zu 20 % der gesamten Bevölkerung. Unter der chronischen Form (CSU) leiden 1,4 % der Menschen, was weltweit 65,1 Millionen Patienten entspricht.
Der grundlegende pathophysiologische Prozess ist die Degranulation der Mastzellen. Diese speziellen Immunzellen platzen förmlich auf und schütten schlagartig Unmengen an Histamin und entzündlichen Zytokinen in das umliegende Gewebe aus. Das sichtbare Ergebnis sind Quaddeln – stark juckende, erhabene Schwellungen mit einem blassen Zentrum und einem roten Rand. Diese Quaddeln wandern oft über den Körper und verschwinden spurlos und ohne Narbenbildung innerhalb von 24 Stunden wieder.
Die chronische spontane Urtikaria (CSU) wird in zwei Untertypen unterteilt. Typ I (auto-allergisch) macht 70 bis 80 % der Fälle aus; diese Patienten sprechen meist hervorragend auf eine biologische Therapie mit Omalizumab an. Typ IIb hat eine autoimmune Basis – der Körper greift fälschlicherweise seine eigenen Immunzellen an. Dieser Typ verläuft meist schwerer, reagiert kaum auf Antihistaminika und erfordert oft den Einsatz von Immunsuppressiva wie Cyclosporin.
Bis zu einem Drittel der CSU-Patienten erlebt zudem Angioödeme, tiefe und oft schmerzhafte Schwellungen der Unterhaut. Der Arzt muss hier zwingend zwei Arten unterscheiden: Das histaminerge Angioödem reagiert auf Antihistaminika und betrifft meist Gesicht, Lippen und Zunge. Das bradykiningesteuerte Angioödem hingegen wird oft durch Blutdrucksenker (ACE-Hemmer) ausgelöst und erfordert eine völlig andere Notfallmedikation. Eine Sonderform bildet die chronisch induzierbare Urtikaria (CIndU), die durch physikalische Reize wie Kälte ausgelöst wird. Eine Kälteurtikaria birgt beim Schwimmen in kaltem Wasser das ernste Risiko eines tödlichen anaphylaktischen Schocks. Rufen Sie bei Schwellungen im Gesicht oder Atemnot sofort den Notarzt! Chronische Formen gehören in die Hände eines Dermatologen oder Allergologen. Alles Weitere erklärt Ihnen unser Text Nesselsucht und allergischer Ausschlag.
Berufsekzem: Der hohe Preis für die „Feuchtarbeit“
Wer mit seinen Händen arbeitet, zahlt oft einen hohen Preis. Das Berufsekzem ist eine der häufigsten anerkannten Berufskrankheiten und plagt ganz spezifische Branchen. Unter medizinischem Pflegepersonal liegt die Rate positiver Patch-Tests bei schockierenden 31,5 %. Friseure haben eine Lebenszeitprävalenz für Handekzeme von 38,2 %. Bei Bauarbeitern liegt die Rate bei 36,9 %, wobei hier sechswertiges Chrom im Zement – ein starkes Karzinogen – der Hauptübeltäter ist.
Die Dermatologie definiert die sogenannte „Feuchtarbeit“ mit klaren Zahlen: Es handelt sich um Tätigkeiten, bei denen der Arbeitnehmer seine Hände länger als 2 Stunden pro Tag in einem feuchten Milieu hat oder sie mehr als 20-mal pro Schicht wäscht. Die dadurch zerstörte Lipidbarriere lässt Allergene und Bakterien ungehindert in die tiefen Schichten der Haut eindringen. Wenn Sie mehr über dieses Problem erfahren möchten, lesen Sie unseren Beitrag Handekzem.
Hier dominiert die Prävention ganz klar über die medikamentöse Behandlung. Die absolute Basis bilden spezielle Barrierecremes, die strikt vor Schichtbeginn aufgetragen werden, das Tragen von dünnen Baumwollhandschuhen unter den eigentlichen Schutzhandschuhen und die Minimierung jedes unnötigen Händewaschens. Das Berufsekzem ist nicht nur ein medizinisches, sondern auch ein juristisches Problem. Es kann so schwerwiegend werden, dass der Patient seinen erlernten Beruf aufgeben muss. Suchen Sie umgehend einen Arbeitsmediziner auf, wenn der Zustand Ihrer Haut die sichere Ausführung Ihrer Arbeit gefährdet. Die besten Tipps zur Regeneration der Hautbarriere liefert unser Artikel Die beste Creme für rissige Hände.
Atopisches Ekzem (Neurodermitis): Das bekannteste Mitglied der Familie
Das atopische Ekzem – in Deutschland fast ausschließlich als Neurodermitis bekannt – ist eine chronische, stark juckende, entzündliche Hauterkrankung mit einer tiefen genetischen Verwurzelung. Eine maßgebliche Rolle spielt hier die Mutation des Gens für die Bildung von Filaggrin (FLG), einem Strukturprotein, das die Hautzellen wie ein unsichtbares Gerüst zusammenhält. Fehlt dieses Protein, kann die Haut keine Feuchtigkeit speichern. Sie trocknet stark aus, reißt ein und öffnet äußeren Allergenen und Bakterien Tür und Tor.
Neurodermitis betrifft jedoch nicht isoliert nur die Haut. Die Krankheit ist oft der Startschuss für den sogenannten „atopischen Marsch“. Kinder mit schwerem atopischem Ekzem haben eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, im Laufe ihres Lebens zusätzlich Nahrungsmittelallergien, allergische Rhinitis (Heuschnupfen) und allergisches Asthma bronchiale zu entwickeln. Der chronische Verlauf ist geprägt vom ständigen Wechsel zwischen ruhigen Phasen (Remission) und akuten, quälenden Schüben (Exazerbation).
Aufgrund der enormen Komplexität dieser Erkrankung haben wir der Neurodermitis eine eigene, detaillierte Artikelserie gewidmet. Konkrete und wissenschaftlich fundierte Strategien, wie Sie den nächtlichen Juckreiz lindern und die schubfreien Phasen verlängern können, finden Sie im Beitrag Was hilft bei Neurodermitis. Die besonderen Herausforderungen der zarten Kinderhaut und die Tücken der pädiatrischen Pflege beleuchten wir ausführlich in Neurodermitis bei Kindern. Und um sich im riesigen Dschungel der Emollientien (Rückfetter) zurechtzufinden, nutzen Sie unseren großen Ratgeber Die beste Creme für atopisches Ekzem.
Pflege für ekzemgeplagte Haut — die AtopCare-Serie
Gemeinsame Pflegeprinzipien: 4 Regeln für alle Ekzem-Arten
Obwohl sich die biologische Entstehung (Pathophysiologie) der einzelnen Erkrankungen grundlegend unterscheidet, ruht die dermatologische Basistherapie auf einigen sehr festen Säulen. Wenn Sie diese vier biologischen Grundprinzipien verinnerlichen, erlangen Sie die Kontrolle über Ihre geschädigte Hautbarriere zurück – völlig unabhängig von Ihrer exakten Diagnose.
- Wiederaufbau der Lipidbarriere: Eine Entzündung zerstört immer den Zellzement der Haut. Die gezielte Zufuhr von Ceramiden und okklusiven (verschließenden) Substanzen wie reinem Petrolatum ersetzt die fehlenden Hautfette, stoppt den hohen Wasserverlust und blockiert physisch das Eindringen schädlicher Bakterien.
- Das richtige Timing bei der Hydratation: Das Eincremen von staubtrockener Haut ist nahezu wirkungslos. Sie müssen Cremes oder Öle zwingend auf die noch leicht feuchte Haut auftragen – idealerweise innerhalb der ersten drei Minuten nach dem Duschen. Nur so schließen Sie das Wasser dauerhaft in der Epidermis ein. Verzichten Sie zudem auf aggressive Seifen und nutzen Sie sanfte Alternativen wie den AtopCare Reinigungsschaum.
- Aktive Suche nach dem Auslöser: Eine Entzündung entsteht niemals aus dem Nichts. Nutzen Sie ärztliche Patch-Tests, um versteckte Kontaktallergien aufzudecken, oder führen Sie bei Neurodermitis eine strenge Eliminationsdiät durch, um nahrungsmittelspezifische Trigger sicher zu identifizieren.
- Respekt vor Kortikosteroiden: Kortison ist ein sehr wirkungsvolles Werkzeug, um eine akute und gefährliche Immunreaktion schnell zu stoppen. Es erfordert jedoch absoluten Respekt. Tragen Sie es niemals ohne ausdrückliche ärztliche Anweisung im Gesicht auf, überschreiten Sie an dünnen Hautstellen niemals die Anwendungsdauer von zwei Wochen und machen Sie nicht den Fehler, Ihre tägliche, lipidreiche Basispflege durch Kortison ersetzen zu wollen.

Fazit – Das Ekzem ist keine Diagnose, sondern eine ganze Familie
Wenn Sie bis hierhin gelesen haben, wissen Sie nun: Das terminologische Chaos zwischen Ärzten, Apothekern und Patienten ist leider der Normalzustand. Die Dermatologie selbst zieht die Grenzen zwischen den einzelnen Erkrankungen durch neue Studien (wie die Umklassifizierung des nummulären Ekzems) immer wieder neu. „Ekzem“ ist kein einzelnes Wort für eine einzige Krankheit. Die verschiedenen Ekzem-Arten bilden eine weit verzweigte Familie von Diagnosen, von denen jede einen eigenen Behandlungsansatz, andere Medikamente und vor allem ein anderes Maß an Geduld erfordert.
Das Wissen um Ihren genauen Typ verschafft Ihnen einen großen Vorteil. Sie hören auf, ein Vermögen für die falschen Cremes auszugeben, und gewinnen fundierte Argumente für einen sinnvollen, auf Augenhöhe geführten Dialog mit Ihrem Hautarzt. Suchen Sie sich in diesem Ratgeber Ihre spezifische Ekzem-Art heraus und tauchen Sie tiefer ein. Lesen Sie, wie Sie den nächtlichen Juckreiz beim dyshidrotischen Ekzem bändigen, lernen Sie, wie man die Hefepilze bei der seborrhoischen Dermatitis aushungert, oder verstehen Sie den lebenswichtigen Unterschied zwischen einer harmlosen Schwellung und einer Quaddel in unserem Artikel über Nesselsucht. Ihre Haut kommuniziert ständig mit Ihnen. Jetzt kennen Sie endlich ihre Sprache.
Häufig gestellte Fragen
Wie unterscheide ich ein Ekzem von Schuppenflechte (Psoriasis)?
Die Psoriasis bildet dicke, silbrig-weiße Schuppen auf einer sehr scharf begrenzten, tiefroten Fläche. Sie bildet niemals nässende, flüssigkeitsgefüllte Bläschen. Typischerweise betrifft die Schuppenflechte die Außenseiten der Gelenke (Ellenbogen, Kniescheiben), die Kopfhaut und hinterlässt oft kleine, punktförmige Dellen auf den Fingernägeln (Tüpfelnägel). Ein Ekzem hingegen nässt in der akuten Phase stark und bildet Bläschen, während es in der chronischen Phase die Haut lederartig verdickt (Lichenifikation). Es befällt bevorzugt die Beugefalten (Armbeugen, Kniekehlen). Manchmal überschneiden sich die Symptome jedoch so stark, dass der Dermatologe eine kleine Hautbiopsie durchführen muss. Dies ist ein schmerzfreier Standardeingriff, der eine 100%ig sichere Diagnose garantiert.
Wann ist der richtige Zeitpunkt, um zum Hautarzt zu gehen?
Rufen Sie sofort einen Arzt oder den Notdienst bei der Entstehung eines Angioödems (plötzliche Schwellung von Lippen, Zunge und Gesicht), bei einem massiven Ausbruch von Pusteln im Gesicht, bei einer rasanten Ausbreitung des Ausschlags über den gesamten Körper oder wenn frei verkäufliche Pflegeprodukte nach 2 bis 4 Wochen keine Wirkung zeigen. Planen Sie zudem zeitnah einen Termin, wenn das Ekzem Sie nachts um den Schlaf bringt, Ihre Arbeitsfähigkeit einschränkt oder die Haut tief und schmerzhaft einreißt. Bestimmte Ekzem-Arten (wie das variköse, periorale oder asteatotische Ekzem) erfordern medizinisch einen ganz anderen Ansatz als Neurodermitis, weshalb die genaue Diagnose immer von einem Facharzt bestätigt werden muss. Warten Sie niemals ab, wenn Sie den Verdacht auf eine bakterielle Sekundärinfektion haben – diese erkennen Sie an gelblichen, honigartigen Krusten, starker Hitzeabstrahlung der Haut, eitrigem Nässen und pochenden Schmerzen.
Helfen kortisonhaltige Cremes bei allen Ekzem-Arten?
Nein – ganz im Gegenteil! Die verschiedenen Ekzem-Arten reagieren sehr unterschiedlich auf Kortikosteroide. Beim asteatotischen (Austrocknungs-) Ekzem unterdrückt Kortison die Entzündung nur für kurze Zeit, löst aber nicht das eigentliche Problem der fehlenden Hautbarriere. Bei der perioralen Dermatitis hat die Kortisonsalbe das Problem oft überhaupt erst verursacht, und ihre weitere Anwendung führt die Haut in eine gefährliche Abhängigkeit. Beim varikösen Stauungsekzem an den Beinen dürfen Kortikoide nur mit äußerster Vorsicht angewendet werden, da die ohnehin schon extrem dünne, verletzliche Haut am Unterschenkel durch das Kortison noch weiter atrophieren (sich verdünnen) könnte. Die Entscheidung über die Anwendung, die Wirkstärke und die Dauer einer Kortisontherapie hängt immer exakt vom Typ des Ekzems und der betroffenen Körperstelle ab.
Ist ein Ekzem ansteckend für andere?
Nein, absolut nicht. Keine einzige der hier genannten Ekzem-Arten wird durch Berührung, über die Luft (Tröpfcheninfektion) oder durch das Teilen von Handtüchern oder Gegenständen übertragen. Auch wenn die akute Phase mit stark nässenden Wunden oder sich großflächig schälender Haut für Außenstehende vielleicht bedrohlich aussieht, besteht für Mitmenschen keinerlei Ansteckungsgefahr. Die einzige Ausnahme bildet eine Situation, in der sich das Ekzem zusätzlich mit einer Sekundärinfektion infiziert hat – beispielsweise mit dem Bakterium Staphylococcus aureus oder dem Herpes-simplex-Virus. In diesem Fall ist jedoch die hinzugekommene Infektion ansteckend, nicht das Ekzem selbst.
Kommt das Ekzem nach der Behandlung wieder zurück?
Das hängt vollständig von Ihrer spezifischen Diagnose ab. Ein allergisches Kontaktekzem kehrt nach der strikten Eliminierung des Auslösers nie wieder zurück – vorausgesetzt, Sie können das Allergen identifizieren und ihm lebenslang aus dem Weg gehen. Das atopische Ekzem (Neurodermitis) und das seborrhoische Ekzem sind hingegen chronische, oft genetisch bedingte Erkrankungen. Ihr Verlauf ist durch den ständigen Wechsel von erscheinungsfreien Phasen und erneuten Schüben gekennzeichnet. Das dyshidrotische Ekzem an den Händen tritt laut klinischen Statistiken bei 50 bis 60 % der Patienten immer wieder auf. Genau aus diesem Grund ist die tägliche, vorbeugende Pflege der Hautbarriere so entscheidend, da sie die Häufigkeit und vor allem die Intensität zukünftiger Ekzemschübe deutlich reduzieren kann.

Quellen
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- GBD 2021 Skin Diseases Collaborators (2025) 'Global epidemiology of seborrhoeic dermatitis 1990–2021', Frontiers in Medicine.
- Bohner, A. et al. (2023) 'Nummular eczema as a phenotype of atopic dermatitis: RNA-sequencing reclassification', Journal of Allergy and Clinical Immunology (JACI).
- Hagenstrom, K. et al. (2025) 'Prevalence and treatment patterns of nummular eczema in Germany', Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (JDDG).
- Bissonnette, R. et al. (2024) 'Delgocitinib cream for chronic hand eczema (DELTA 1 and DELTA 2)', The Lancet, 404(10455).
- Schäfer, T. et al. (2023) 'Stasis dermatitis and chronic venous insufficiency: pathophysiology and management', Phlebologie.
- Misery, L. et al. (2022) 'Lichen simplex chronicus: pathogenesis and clinical update', Experimental Dermatology, 31(5), 681–689.
- Zuberbier, T. et al. (2022) 'EAACI/GA²LEN/EuroGuiDerm/APAAACI guideline for the definition, classification, diagnosis and management of urticaria', Allergy, 77(3), 734–766.




